Allgemeines und Geschichtliches. 577
läßt. Es ist nicht zu erwarten, daß bei Anwendung der jetzigen Beleuchtungsmethodendaran etwas zu bessern ist.
Werfen wir nun einen Blick auf die Entwickelung des Beleuchtungswesens inhistorischer Hinsicht. Schon im grauen Altertume benutzte man neben dem flammendenKienspan auch Lampen, die man mit tierischen oder pflanzlichen Ölen gespeist habenmag. Wahrscheinlich waren in manchen Gegenden auch schon die brennbaren Erdölebekannt. Die Einrichtung dieser Lampen war selbstverständlich möglichst einfacher Art;ein mit dem flüssigen Brennstoff gefülltes napf- oder schalenartiges Gefäß mit hinein-gelegtem, aus passend erscheinendem Faserstoff wurmartig zusammengedrehtem und voneiner Tille gehaltenem Dochte wurde als ausreichend für das Beleuchtungsgerät an-gesehen. Bald jedoch fand der dem Menschen eingepflanzte und bei den alten Kultur-völkern zur schönsten Blüte gelangte Kunstsinn in der das freundliche Licht spendendenLampe einen seine künstlerische Bethätigung anregenden Gegenstand. Noch heute bewundernwir die zierlichen und stilgerechten Formen dieser griechisch-römischen Hausgeräte, beidenen aber die Zweckmäßigkeit nur in sehr oberfläch-licher Weise Berücksichtigung gefunden hat. In Abb. 604geben wir das Bild einer solchen antiken Lampe, wiesie aus Thon und Bronze, seltener aus Alabaster oderGlasmasse hergestellt wurden und in Pompeji sowiein den Grabstätten der Vorzeit in großer Menge undin den mannigfaltigsten Formen, in mehr oder minderreicher ornamentalen Ausstattung gefunden worden sind.
Die zweckgemäße Vervollkommnung der Lampenschritt nur äußerst langsam vorwärts, was wohl mitdaran lag, daß man erst gegen Ende des 18. Jahr-hunderts über die Natur des Verbrennungsprozesseseinige Klarheit erlangte. Bis dahin und selbst bis indie ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurdenLampen von sehr urwüchsiger Einrichtung benutzt, wieeine solche in Abb. 605 dargestellt ist. Hinsichtlich derZweckmäßigkeit steht diese Lampe mit den antikenLampen noch auf gleicher Höhe, hinsichtlich ihrerplumpen Form aber weit hinter ihnen zurück. Selbst-verständlich konnte man mit einer solchen Lampe nureine düster brennende Flamme erhalten. Neben denLampen wurden frühzeitig schon Kerzen aus Rohtalg sos. Kaft-ntamp- mit fl-ch-m Docht-,und Wachs benutzt, letztere aber ausschließlich für
kirchliche Zwecke und als Luxuslichter. Der noch zu Anfang dieses Jahrhunderts herr-schende mangelhafte Zustand des Beleuchtungswesens wird in Goethes zahmen Leinendurch den bekannten Vers charakterisiert: „Müßt' nicht, was sie Besseres erfinden könnten,als wenn die Lichter ohne Putzen brennten." — Von jener Zeit an kamen neben denlängst gebrauchten Talg- und Wachskerzen nacheinander auch Walrat, Stearin, Stearin-säure und Paraffin als Kerzenmaterialien zur Verwendung, wodurch eine damals sehrerfreuliche, wenn auch verhältnismäßig sehr geringe Verbesserung im häuslichen Beleuchtungs-wesen herbeigeführt wurde.
Zu derselben Zeit erfuhren aber auch die Lampen durch eine Reihe rasch aufeinanderfolgender Erfindungen eine wesentliche Vervollkommnung, die besonders von Frankreich ausgegangen ist. Erwähnt mag hier noch sein, daß schon im Jahre 1550 der MailänderArzt Hieronymus Cardanus auf eine praktische und bis in die neuere Zeit, wennauch in bedeutend verbesserter Einrichtung zur Anwendung gelangte Lampenform ge-kommen war, indem er zum Zweck besserer Ölznführungnach dem Dochte den Ölbehälterseitlich über dem Brennerrande anbrachte, so daß das Öl unter Druck nach dem Dochtegelangte. Aber erst im Jahre 1783 wurde von Leger in Paris an Stelle des bisdahin ausschließlich angewandten unvorteilhaften, massiven, wurmförmigen Dochtes derDas Buch der Erfind. I. 73