Die Entwickelung der Lampen. 579
Dieses Ventil gestattet den Ölausfluß erst dann, wenn die Flasche soweit in das Gehäuse ein-geschobeu worden ist, daß die Ventilspindel auf dessen Boden aufstößt. Es fließt dann nursoviel Öl in das Gehäuse, bis die Flaschenmündung geschlossen ist. Dieses ausgeflossene Ölgelangt durch das Rohr u nach dem Brenner. Erst wenn im F-laschengehäuse der Ölstandsoweit gesunken ist, daß das Gewicht der darüberstehenden Ölsäule den äußeren Luftdruck über-windet, fließt,, wiederum eine entsprechende, zur weiteren gleichmäßigen Speisung der Flammeausreichende Ölmenge aus, so daß also das brennende Dochtende den Brennstoff unter praktischgleichmäßigem Drucke zugeführt erhält.
Diese Lampe ergab also ein sehr gleichmäßiges Licht, und außerdem besitzt sie dieAnnehmlichkeit, daß man das Licht höher oder tiefer stellen und somit die Beleuchtungnach Bequemlichkeit des Sehens beim Arbeiten einstellen kann. Infolge dieser Eigen-schaften ist diese Lampe, deren Prinzip sogar bei einer Art der modernen Lampen (wiewir später nachweisen werden) beibehalten worden ist, zur Studier- und Arbeitslampevorzüglich geeignet. In andrer Beziehung aber ist dieselbe mit dem Übelstande behaftet,daß sie nicht rundum gleiches Licht verbreitet, sondern nach der Seite des Ölbehältershin einen breiten Schatten wirft. Dieser Übelstand wurde dadurch beseitigt, daß manden Ölbehälter in der Form eines horizontalen flachen, die Flamme in einem großenKreise umgebenden Kranzes anordnete. Auf diese Weise wurde eine große Kreisflächeum die Lampe herum, gleichmäßig beleuchtet, und dabei war auch der praktisch wohl aus-reichende gleichmäßige Ölznfluß nach der Flamme gesichert, indemfür den Ölvorrat eine große Flächenausdehnung gewonnen war,so daß die infolge des Ölverbrauchs eintretende Verminderungder Ölmenge in entsprechend geringerem Maße auf die Höhe desÖlstandes einwirkte. Eine derartige Kranzlampe wurde unterder Bezeichnung Astrallampe schon 1809 von Bordier-Marcel in Paris erfunden, dann von Parker in London 1819durch eine besondere Gestaltung des Kranzquerschnittes und einezweckmäßige Anordnung der Glasglocke mit Rücksicht auf dieVerminderung des Schattenwerfens verbessert. Dies wurde ins-besondere dadurch erreicht, daß der Querschnitt des Kranzesangenähert die Form eines spitzwinkeligen, mit der Basis schräg nach der Flamme geneigtenDreiecks erhielt, wegen der verminderten Schattenbildung erhielt die Parkersche Lampedie Bezeichnung Sinumbralampe. In der Form der Kranzlampe wurde auch vondem berühmten Chemiker Berzelius im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts die nachihm benannte und in den chemischen Laboratorien noch heutzutage benutzte, mit Spiritusgespeiste Heizlampe hergestellt, welche in Abb. 608 abgebildet ist. Die rasche, auf starkeHitze hinwirkende Verbrennung in der Spiritusflamme wird durch ein über dem Docht-rande aufgestelltes kurzes Zugrohr gefördert.
Trotz der so erreichten Vorteile wurden aber auch noch andre Gesichtspunkte für dieEinrichtung der Lampen als maßgebend erachtet. Einmal wollte man die Lampe durchvollständige Beseitigung des oberen Ölbehälters einfacher und geschmackvoller gestalten,und ferner wollte man ihr einen möglichst festen Stand sichern. Beide Anforderungen ließensich dadurch befriedigen, daß man den Ölbehälter nach unten, in den säulenartig geformtenFuß der Lampe verlegte. Man war jedoch dadurch auch genötigt, für eine Vorrichtung zusorgen, mittels welcher das dickflüssige Pflanzenöl, das man gebrauchte, empor nach derFlamme befördert wurde, indem die kapillarische Saugkraft des Dochtes dazu nicht aus-reichend sein konnte. So entstanden die Pumplampen, von denen die erste durchGrosse in Meißen 1765 erfunden worden sein soll, während die Franzosen diese Erfindungdem Abbe Mercier, etwa um dieselbe Zeit, zuschreiben. Die ersten Pumplampen, mitderen Vervollkommnung sich auch 1797 Hoffmann in Leipzig und 1803 Brochant inParis beschäftigten, waren mit einem Kolben ausgerüstet, der von Zeit zu Zeit durchEinwirken auf einen Griff mit der Hand niedergedrückt werden mußte, was selbst-verständlich als sehr unbequem empfunden wurde. Mit Beibehaltung dieses Prinzipes,der Hebung des Öls durch Kolbendruck konstruierte 1800 Carcel in Paris seine Uhr-lampe, bei welcher neben der Anwendung eines zur stetigen Kolbenverschiebung dienenden
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so«. VerzrNiiskampc.