584 Beleuchtung.
Ölhebung entbehrlich machen und somit eine einfachere Einrichtung der Lampen gestatten.Vorübergehend spielte das rektifizierte Terpentinöl eine Rolle und zwar zuerst in dervon Morey in Nordamerika und in der 1834 vom Landesökonomierat Lüdersdorff inBerlin erfundenen Dampflampe. In der letzteren Lampe wurde ein Gemisch vonAlkohol und rektifiziertem Terpentinöl unter der Bezeichnung Leuchtspiritus benutzt. DerDocht bei dieser Lampe war dick, 8—10 cnn lang und befand sich in einem messingenenRohre, welches oben in einem runden hohlen Knopfe endigte. Dieser Knopf war imUmkreise mit Löchern von etwa 0,s min Durchmesser versehen. Um die Lampe anzuzünden,wurde der Knopf mittels einer gewöhnlichen Spiritusflamme erhitzt, wodurch sich einekleine Menge des vom Dochte aufgesogenen Leuchtspiritus in Dampf verwandelte und imAusströmen durch die Löcher entflammte. Sobald dies geschehen war, blieb die Lampevon selbst im Gange, wobei sie ein glänzend weißes Licht entwickelte, das man besonderszu dekorativen Zwecken und Theaterbeleuchtung zu verwenden gedachte. Indessen war
dabei der Übelstand störend, daßdie Flamme schon bei geringemLuftzuge verlöschte; außerdem be-wirkte aber der Knopf, daß eingroßer Teil des Lichtes für denAnblick verloren ging, und endlichwar ein Haupthindernis für dieVerwendung dieser Lampe dieKostspieligkeit des Brennstoffes.Ums Jahr 1844 kamen in Eng-land die Kamp Hinlampen auf,deren Brennstoff aus reinstemTerpentinöl bestand, die sich aberauch als unpraktisch erwiesen.
Was nun die Mineralölebeziehungsweise Erd- und Stein-öle anbelangt, so ist deren An-wendung für Belenchtungszweckewohl ebenso alt als die Kenntnisdieser Substanzen; jedoch sah manin den Kulturländern von derenBenutzung ab, weil das Materialin der Regel ziemlich hoch imPreise stand und weil es inLampen gewöhnlicher Art nur mitstark rußender Flamme brannte,sobald die Flamme nicht sehr kleinund daher wenig lichtkräftig erhalten wurde. Indessen sollen schon 1819 in Galizien ge-lungene Versuche gemacht worden sein, Petroleum zur Beleuchtung von Bergwerken zubenutzen. Beale in London konstruierte 1837 eine Lampe zum Brennen von Steinöl undSteinkohlenteeröl, welche weder Docht noch Zugcylinder hatte, indem bei derselben einGebläse zur Anwendung kam. Selbstverständlich war diese Lampe für gewöhnliche Be-lenchtungszwecke ungeeignet. Im Jahre 1834 begann Selligne in Paris Versuche zurDarstellung von Leuchtölen aus dem durch Destillation bituminöser Schiefer gewonnenenTeer, und 1840 kamen diese Leuchtöle in den Handel. Fast gleichzeitig wurden auchaußerhalb Frankreichs, besonders aber in Deutschland Fabriken zur Erzeugung solcherÖle in Betrieb gesetzt, wobei als Rohstoff gewisse Steinkohlen, Braunkohlen und selbstTorf zur Verwendung kamen. Die als Brennöle zu benutzenden Produkte besaßen ver-schiedene Grade der Flüchtigkeit; die flüchtigeren und deshalb auch leichter entzündlichenwurden als Photogen, Schieferöl, Mineralöl, Hydrokarbür n. s. w. bezeichnet,das weniger leicht entzündliche war als Solaröl bekannt.
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618—620. Kydrokardürlümpe mit Flachkrenncr.