594 Beleuchtung.
1801 Heiz- und Leuchtgas von Henry aus Lignit hergestellt und in Baltimore damitein großer Saal erleuchtet. Erst im Frühjahr 1802 gelangte Murdochs Erfindung zuallgemeiner Kenntnis, und damit war einer der folgenreichsten Fortschritte im Beleuchtungs-wesen angebahnt. Die erste planmäßig im Großen ausgeführte Beleuchtungsanlagewurde 1805 unter Murdochs Leitung in einer Baumwollspinnerei zu Manchester mitetwa 3000 Lichtflammen in Betrieb gesetzt. Die größten Verdienste erwarb sich FriedrichAlbert Winzer (aus Znaim in Mähren gebürtig) um die Verbreitung der Gasbeleuchtung;derselbe nahm in den Jahren 1804—1809 unter dem Namen Windsor eine Reihe vonPatenten in England auf bezügliche Erfindungen und gründete im Verein mit MurdochsSchüler Samuel Clegg , der bei diesem Anlaß die Gasuhr erfand, 1813 und 1815 dieersten Gasbeleuchtungs-Gesellschaften in London und Paris . Im Jahre 1815 warenbereits viele Straßen und Gebäude Londons , sowie auch andrer englischer Städte mitGas beleuchtet, und 1819 waren in London schon über 51000 Gaslichter vorhanden,wie von Karmarsch in seiner Geschichte der Technologie berichtet wird. Im Jahre 1822befanden sich dort vier große Gasgesellschaften, welche mit sechs Gaswerken arbeitetenund jährlich gegen 40 Millionen Kubikmeter Gas erzeugten, dasselbe durch Rohrleitungenvon insgesamt 54 deutsche Meilen Länge verteilten und außer 7268 Straßenflammen noch61203 Privatlichter; 1857 bestanden schon zwölf Londoner Gasgesellschaften mit 18 Gas-werken, einer Leitung von 200 deutschen Meilen, 30400 Straßen- und 134300 Privat-lichtern. — In Deutschland erleuchtete 1811 Lampadius , Professor der Chemie undHüttenkunde zu Freiberg in Sachsen, vier Wochen lang eine dortige Straße, und 1816richtete derselbe das Gaslicht in einem Hüttenwerke ein. Der bekannte Technolog Pro-fessor Prechtl in Wien ließ 1817 das Gebäude des unter seiner Direktion stehendendortigen technischen Institutes und 1818 zwei Straßen Wiens mit Gaslicht versehen,jedoch behielt man diese, jedenfalls sehr unvollkommen ausgeführte Beleuchtungsweise nureine Zeitlang im Betrieb, ohne daß daraus für das Wiener Beleuchtungswesen ein Fort-schritt erwachsen wäre. Straßenbeleuchtung mit Gas besteht in Hannover seit 1826;Berlin erhielt sie 1828, Frankfurt a. M. 1829, Dresden 1833, Wien 1840, Leipzig und Köln 1841, Hamburg 1846, Prag 1847 u. s. w.
Alle diese Anstalten benutzten als Rohmaterial die Steinkohle, die noch jetzt zurLenchtgasbereitung vorherrschend verwendet wird. Die Fabrikation des Heiz- und Leucht-gases aus Öl und andern wohlfeilen Fetten unter der Bezeichnung Ölgas oder Fettgaswurde 1815 von John Taylor zu Stratford in der Grafschaft Essex , die Verwendungvon Harz zu gleichem Zwecke 1825 von Daniell und 1827 von Luscombe ausgeführt.Das durch Zersetzung von Wasserdampf mittels glühender Kohlen herzustellende Wasser-gas wurde 1837 von Selligue in Paris erfunden. Endlich wurde auch 1848 nach einervon Pettenkofer in Wien angegebenen Methode wiederum versuchsweise Holzgas, sowiemit besserem Erfolge Heiz- und Leuchtgas aus Torf- und Steinkohlenteer hergestellt.Von größter Wichtigkeit für das Belenchtungswesen sind die Verbesserungen und Erfindungenaller zur Erzeugung des Leuchtgases dienlichen Apparate und sonstigen Hilfsmittel, jedochgehört die Leuchtgasbereitung in das Gebiet der chemischen Technologie, so daß wir hierdavon absehen und nur beiher die Öl- und Fettgasbereitnng etwas eingehender be-trachten werden.
In Amerika hat man schon zu Anfang der sechziger Jahre versucht, Leuchtgas ausden Petroleumrückständen der Raffinieranstalten zu gewinnen. Diese Rückstände sindteerartiger Natur. Ein dahin zielendes sehr Praktisches Verfahren ist etwa zu derselbenZeit von dem Professor der Chemie, Dr. Hirzel in Leipzig erfunden worden. Der dazubenutzte Apparat ist in Abb. 638 abgebildet; derselbe ist derartig, daß sein Betrieb fastganz . selbständig vor sich geht. Das Material wird in einem neben dem Ofen (links in derAbb. 638) befindlichen Behälter b' aufgegeben; dieser Behälter steht durch einen Schlauchmit der Pumpe 6 in Verbindung, so daß der Pumpencylinder beim Aufziehen des Kolbensmittels eines Flaschenzugs H und einer Winde 4 sich mit der dickflüssigen Masse füllt,worauf ein Ventil die Verbindung zwischen der Pumpe 0 und dem Behälter lk abschließt.Hierauf wird das Öl durch den mittels eines Gewichtes ü von selbst niedergehenden