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Die Gasbeleuchtung.
würden; aber selbst bei dieser verhältnismäßig günstigen Annahme kann das Acetylen mitdem Benzol für die Karburierung des Leuchtgases noch nicht konkurrieren, weil sich dieKosten mindestens verdoppeln würden. Aber der Verwendung des Acetylens in ungemischtemZustande für Beleuchtungszwecke scheinen keine gewichtigen praktischen Bedenken im Wege. zu stehen. Seine hohe Leuchtkraft beruht auf dem merkwürdigen Umstände, daß es beieiner Temperatur von etwa 800° 0. plötzlich in Wasserstoff und sehr fein zerteiltenKohlenstoff zersetzt, wobei eine so bedeutende, wohl über 2000° 6. betragende Temperatur-erhöhung entsteht, daß sofort die Kohlenstoffteilchen zum hellsten Glühen kommen. Fernerhat die Entdeckung des Acetylens aber auch zu genaueren Untersuchungen der chemischenVorgänge in der Leuchtflamme geführt, und dabei hat man ein wichtiges Gesetz entdeckt.Es hat sich nämlich herausgestellt, daß sich in der nichtleuchtenden Zone einer Gasflammedie ursprünglich im Gase vorhandenen Kohlenwasserstoffe zum größten Teile in Acetylenumwandeln und daß dadurch gerade die Leuchtkraft der Flamme hervorgerufen wird, in-dem sich der oben erwähnte Vorgang abspielt.
Neben der Karburierung mit Benzol besitzt auch die Karburierung des Steinkohlen-gases mit Ölgas eine große praktische Wichtigkeit; jedoch ist dieser Prozeß weniger wirt-schaftlich. In den englischen Gasanstalten wird zu dem Zwecke das Ölgas aus verschie-denen geeigneten Materialien in besonderen Retorten neben dem Steinkohlengase erzeugtund dann letzterem beigemischt. Ferner wird aber auch, und zwar besonders in Amerika undEngland Wassergas mit Naphtha karburiert, um ein leuchtkrästiges Gas zu erhalten.Der Wassergasprozeß, bei welchem nichtbituminöse Brennstoffe, insbesondere also dermagere nordamerikanische Anthracit, mittels überhitzten Wasserdampfes durch dessen Zer-setzung in Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden, ist in Amerika sehr ausgebildet wordenund fand in England, wo der dazu geeignete Anthracit reichlich vorhanden ist, ziemlichausgedehnte Anwendung. Bei den deutschen Gasfachmännern hat indessen dieses Ver-fahren weniger Anklang gefunden, als die bei uns jetzt üblichen Methoden der Leuchtgas-erzeugung. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß die Versuche, die stark kohlenstoffhaltigenKohlenwasserstoffe des Teeres in wasserstosfreiche, gasförmige lichtkräftige Kohlenwasser-stoffe umzuwandeln, bisher nicht den genügend Praktischen Erfolg hatten, um dies Ver-fahren für Großbetrieb zu benutzen; nur im kleinen, so insbesondere mit Benutzung desauf S. 594 f. beschriebenen Hirzelschen Apparates, fand dieses Verfahren Verwendung.
Kehren wir zur Verwendung des Leuchtgases aus Steinkohlen zurück, welchemfür die Beleuchtung im großen Maßstabe die hervorragendste Bedeutung gegenüber denaus andern Stoffen bereiteten Leuchtgasen zukommt, so haben wir zuerst die Gasometer-oder Gasbehälter zu betrachten, welchen das in den Retorten bereitete Gas mittels derExhaustoren durch die Reinigungsapparate und den Stationsgaszähler zugetrieben wird.Die älteren und auch jetzt benutzten kleineren Gasbehälter haben die in Abb. 639 dar-gestellte Einrichtung. Die aus Blech zusammengenietete Glocke 1, welche das Gas auf-zunehmen hat, ist an der Decke durch ein Eisensparrwerk 2 versteift. Unter derselbenbefindet sich der Wasserbehälter (das Bassin) 3, und in diesem ist das Zuleitungsrohr 4,sowie das Ableitungsrohr 5 angebracht, welch letzteres mit der eigentlichen Gasleitungin Verbindung steht. Die Glocke ist mittels über die Rollen 6 geführten Ketten ausgehängt.Wenn die Glocke vom Gas entleert ist, taucht sie vollständig ins Wasser ein und ist durchGegengewichte an den Ketten entlastet, so daß sie durch das einströmende Gas leichtgehoben werden kann. Ist dies geschehen, so werden die Gegengewichte erleichtert, damitdie Glocke durch ihr Eigengewicht das Gas in das Ableitnngsrohr und unter entsprechendemDrucke in das meilenlange Röhrennetz treibt. Abb. 640 zeigt einen großen Gasbehälternenester Bauart, wie solche zum Beispiel bei den Berliner Gaswerken angelegt worden sind.Diese Gasbehälter sind in einem kreisrunden großen gemauerten Bauwerk unter einemKuppeldach angebracht. Die ältesten, in den ersten Berliner Anlagen benutzten Behälterhaben gußeiserne Bassins und sind teils mit einfachen, teils mit zweiteiligen Glocken vonetwa 18 in Durchmesser und 6,s m Mantelhöhe versehen; der mit Gas gefüllte Raumbeträgt bei den einfachen Glocken 1400 obiu, bei den zweiteiligen Glocken 2800 odin. Dieseit 1856 gebauten Behälter sind mit einem gemauerten Wasserbassin eingerichtet, das