607
Die Gasbeleuchtung.
Ein sehr bedeutender Fortschritt in der Gasbeleuchtung wurde dadurch erzielt, daßman die die Lichtwirkung bei weitem überwiegende Wärmewirkung beim Verbrennenvon Leuchtgas unter Hinzuziehung gewisser in hellste Weißglut zu versetzender Mineraliennutzbar machte. Diese Methode der Lichterzeugung hat sich als Gasglnhlicht außer-ordentlich wirksam erwiesen und dem elektrischen Glühlicht starke Konkurrenz gemacht.
Das heutige Gasglühlicht hat seine Vorgänger gehabt, deren in Kürze zu gedenken ist. Sowurde gegen Ende der vierziger Jahre von Franken stein das sogenannte Lunar- und Solar-licht erfunden, worüber Professor K.H.Hassensiein im „Leipziger Tageblatt " vorn 25. Februar 1848folgendes berichlct: „Das Neue in der Erfindung Fraukeusteins liegt darin, daß auf eigen-tümliche Weise in der Mitte der Flamme einer Argandlampe ein verstellbarer Kegel angebrachtist, welcher aus einem Gewebe (Spitzengrund) besteht, das von einer erdigen Substanz durch-drungen ist. Durch die Hitze der Flamme brennt das organische Gewebe aus und die erdigeMasse bleibt in der Form des Gewebes zurück, wird weiß-glühend und erbotst dadurch die Leuchtkraft der Flamme."
Ferner sind einige Gasglühlampen aus den siebzigerJahren anzuführen, welche allerdings nach einem andernPrinzip als dem gegenwärtig benutzten und bereits in derFrankensteinscheu Erfindung verkörperten konstruiert sind.
Abb. 660 illustriert die Clamondsche Glühlampe, beiwelcher die atmosphärische Luft durch Überdruck zugeführtwird. Der glühende Körper besteht aus einem Geflecht vonMagnesiadochten. Die mit etwa 33 ram Wassersäulendruckzugcführte Luft wird wie bei den Regenerativbrennern vor-gewärmt, was teils dadurch geschieht, daß sich das Zu-führungsrvhr in dem heißen Strome der Verbrennungs-produkte befindet, teils weil es der Wirkung von besonderenGasflämmcheu ausgesetzt ist. Die Druckluft wird mittelseiner Luftpumpe der Kammer I) zugeführt, wobei sie aufihrem Wege erwärmt wird. Ein Teil davon zweigt sichjedoch durch das Rohr st? ab und geht in der Kammer Uniederwärts. Das Gas wird durch das Rohr? zugeführtund tritt in bestimmter Menge in die Kammer L ein.
Von b' führen vier vertikale Röhren den Hauptteil des Gasesnach dem Ringe 8, welcher den Brenner bildet. Ein Teilgeht jedoch vom Zusühruugsrohr in die Kammer ö, welcheauf diese Weise mit Luft und Gas gefüllt wird; dieses Ge-misch, welches aus dem Brenner als Flamme herausbrenntund große Hitze entwickelt, dient zur Erhitzung des Luft-zuführungsrohres 6. Der ganze Apparat ist von einemGehäuse öl umgeben, welches als Schornstein wirkt, indemdasselbe oben mit seitlichen Öffnungen 2 versehen ist, durchwelche die Verbrenuungsprodukte entweichen. Am Bodenendet das Gehäuse in zwei konzentrische Kegelstutzeu, die vonQucrröhren st durchsetzt und miteinander verbunden sind.
Von der Öffnung des inneren Kegelstutzen hängt ein kegel-förmiger Körper aus einem netzartigen Geflecht von feinen Platindrähten herab, welches denMagnesiatorb trägt. In diesen Korb tritt die nach unten getriebene Flamme des Brenners 8und bringt denselben zur hellen Weißglut. Die Verbrennungsprodukte steigen in dem ring-förmigen Raume k empor, während die Luft durch die Querröhren ll eintritt und darin erhitztwird, worauf dieselbe die Verbrennung der Gasstrahlen na bewirkt, durch welche die Vor-wärmung der Lust erhöht wird. Die zur Herstellung des Leuchtkörpers dienenden Magnesia-süden bestehen aus einer Mischung von kalzinierter Magnesia mit essigsaurer Magnesia, welcheals teigartige Masse in Nudelform gepreßt und dann durch Aufwickeln auf einen Dorn in dieKörbfvnn gebracht wird. Durch scharfes Trocknen wird dann die essigsaure Magnesia zersetzt.In der Abbildung ist nur das deu Magnesiakorb tragende Platingeflecht dargestellt. Einsolcher Glühkorb soll etwa 40 Stunden lang ausgehalten haben, bevor er wegen zu^tarker Ab-nahme der Leuchtkraft ersetzt werden mußte. Das Licht soll einen vollen warmen 4.on besitzenund angenehm leuchten. Bei 160 Kerzen Leuchtkraft wurde ein Gasverbrauch von stündlichetwa 0,5 abna, bei 450 Kerzen Leuchtkraft ein stündlicher Gasverbrauch von 1,2 obm bemerkt.Es ist dabei jedoch zum Betrieb der Luftpumpe ein kleiner Gasmotor erforderlich, depen Gas-verbrauch hier nicht mit eingerechnet ist. < ,
Der Lewissche Glühbreuner, Abb. 661, erzeugt das Licht durch die slammenlole Ver-brennung von Leuchtgas in Berührung mit einem Geflecht aus feinem Platindraht. Anstattdes Gases kann auch Spiritusdamps verwendet werden. Der Brenner besteht aus einem zentralenMundstück e,, durch welches unter Druck ein Luftstrahl getrieben wird. Um diesen Luftstrahl
sss. Laterne mit SchalkesNegcncratindreimcr.