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Erster Band. Entwickelungsgang und Bildungsmittel der Menschheit.
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609
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Die Gasbeleuchtung. 608

Über die Natur der für die Imprägnierung des Strumpfes benutzten Mineraliensind unterdessen umfassende Untersuchungen angestellt worden, welche nachweisen, daßdieselben zu den interessantesten chemischen Stoffen gehören, deren Wesen außerordentlichschwierig zu ergründen ist. Die Edelerden sind die Oxyde von einer zahlreichen Reihemehr oder minder selten vorkommender Elemente, die nur an wenigen Fundstätten inVerbindung mit gewissen andern Mineralien in größeren Mengen vorkommen. DieseElemente sind bekannt als: Ittrium , Cer, Lanthan, Didym, Erbium, Zirkonium undThorium. Bekanntlich wurde auch schon längst Calcium zur Erzeugung des starkleuch-tenden Knallgas-Glühlichtes benutzt, wenn auch in ganz andrer Weise, als dies bei demAuerlichte mit ähnlich leuchtenden aber noch wirksameren Substanzen geschieht. Dieeinzelnen Arten dieser sogenannten „Edelerden", deren chemische Bestimmung äußerstschwierig ist und noch viel zu wünschen übrig läßt, zeigen nicht nur mit Bezug auf diedurch deren Glühen hervorgerufene Lichtstärke, sondern auch auf die dabei hervortretendenLichtfarben eine bedeutende Verschiedenheit. Die ausgeführten Versuche haben in Bezugder Lichtstärken für die benutzten Mineralien die folgenden Verhältniszahlen ergeben:

Thonerde, bläulichweißes Licht . . . . 31,ss Lichtstärken

Lanthanerde, weißes Licht. 28,»2 „

Mererde, gelblich weißes Licht .... 22,ss „

Zirkonerde, weißes Licht. 15 ,so „

Cererde, rötliches Licht .. 5,»2 „

Die Mischung von -/., Thonerde und Mererde soll sich in Bezug auf die Licht-

farbe am besten zeigen, während die größte Lichtstärke mit einer Mischung von Thon,Zirkon und Lanthan erhalten worden ist. Die geringe Menge von 0,> § dieser Mischunghat nach Auer v. Welsbachs Versuchen mit 70 1 stündlichem Gasverbrauch eine Licht-menge von 40 Kerzenstärke ergeben und sich beim mehrhnndertstündigen Glühen unver-ändert erhalten. Der Lenchtwert des Thorit, der im südlichen Norwegen vorkommt,wurde erst vor einigen Jahren entdeckt und von Auer v. Welsbach im Interesse seinerErfindung verwendet, wodurch das Gasglühlicht erst seine volle Bedeutung gegenüber dembis dahin dominierenden elektrischen Glühlicht gewann. Bis dahin betrug der Handelswertdes Thorit 20—25 Mark per Kilo, wogegen dasselbe bereits 1874 mit 200—300 Mark,sogar zeitweise mit 400 Mark per Kilo bezahlt und stark begehrt wurde. Neuerdings istder Preis wieder etwas gesunken, indem es verschiedenen Chemikern geglückt ist, dasThorium auch aus andern Mineralien auszuscheiden. Insbesondere ist dies bezüglich desebenfalls in Norwegen, aber auch in Amerika gefundenen Minerals Monazit der Fall,und in Amerika soll die Gewinnung thorinmhaltiger Mineralien im Zunehmen begriffensein; da die Zukunft des Gasglühlichtcs von der genügenden Produktion des Thoriumshauptsächlich abhängig ist, so ist natürlich die reichliche Gewinnung von thorinmhaltigcnMineralien von hoher Bedeutung.

Wenn man auch das Prinzip des Bunsenbrenners für andre Gasglühlichtkonstruktionen bei-behielt, so ist derselbe doch vielfach abgeändert worden. Einen der neuesten Glühlichtbrenuer zeigtAbb. 662: derselbe ist von Delamarre in PariS erfunden worden und insbesondere darauf ein-gerichtet, daß eine möglichst innige Vermischung des Leuchtgases mit der atmosphärischen Luft statt-findet, weil dadurch die Verbrennungstemperatnr auf das höchste gesteigert und dadurch natürlichauch ein hoher Glühgrad erzielt wird. Alan hat deshalb sogar bei einer andern neueren Einrichtungeines Glühlichtbrenners ein kleines Flügelrad angewendet, jedoch ist zu dessen Betrieb auch einkleiner Motor nötig, wodurch der Brenner umständlich und kostspielig wird. Bei dem Brennervon Delamarre isl versucht worden, dieselbe Wirkung in einfacherer Weise durch den natürlichenLuftzug zu erreichen. Bei diesem Brenner strömt das Gas durch einen kleinen Konus -1 vonunten in das innere Brennerrvhr, wobei das Prinzip der bekannten Strahlpumpe oder desInjektors znr Anwendung kommt. Durch die mittels einer Spindel 8 regulierbare Öffnungder konischen Düse strömt der beschleunigte Leuchtgasstrahl in eine erweiterte Kammer 8,welche durch Öffnungen mit der äußeren Luft in Verbindung steht, so daß Lust durch die

lebendige Kraft des Gasstrahls eingesaugt wird, welche sich in der Kammer 8 mit dem

Leuchtgase vorläufig mischt. An die Kammer 8 schließt sich eine zweite konische Düse an,

deren Öffnung ebenfalls mittels der Spindel regulierbar ist. Dieser zweite Konus mündet

in die Kammer 6, durch deren seitliche Öffnungen abermals Luft durch die Wirkung desDas Buch der Erfind. I. 77