Das elektrische Licht. 617
infolgedessen allmählich eine kraterförmige Aushöhlung, während die negative ihre zu-gespitzte Form beibehält. Zugleich verbrennen beide Kohlenpole durch den Sauerstoff derLuft, und zwar wiederum der positive etwa doppelt so rasch als der negative. Daselektrische Glühlicht dagegen entsteht, indem man in einen Stromkreis einen Leiter ein-schaltet, der bedeutenden Widerstand bietet, z. B. einen recht dünnen Metalldraht odereinen Kohlenfaden. Indem der Strom diesen Widerstand überwindet, erhitzt er den Leiterbis zum Glühen. Die so bewirkte Lichterscheinung hat nun freilich zunächst ein raschesEnde. Ein Eisendraht schmilzt ab, ein Kohlendraht verbrennt an offener Luft. Nunkam aber Jobard in Brüssel 1838 auf den Gedanken, den durch den Strom bewirktenGlühzustand längere Zeit dauernd zu erhalten und für Beleuchtungszwecke auszunutzen,indem man den Glühkörper in einem luftleer gemachten Glasballon von dem Sauerstoffder Atmosphäre abschlösse und dadurch die Verbrennung verhindere. Damit war daselektrische Glühlicht erfunden.
Nach diesen beiden Arten des Lichtes unterscheiden sich auch die elektrischen Lampennaturgemäß in Bogenlampen und Glühlampen. Es ist hier nicht unsre Aüfgabe, diesehr zahlreichen Arten dieser Lampen zu beschreiben, nur die Hauptgesichtspunkte in derenKonstruktionen und Wirkungsweise sind hier zu berücksichtigen.
Die Bogenlampe hat nach dem Gesagten als der älteste elektrische Beleuchtungs-apparat zu gelten, und in ihrer Wirkung kommt auch die Überlegenheit des elektrischen Lichtesgegenüber andern Beleuchtungsarten zur Geltung. Indessen hat doch die elektrische Beleuch-tung erst mit der Anwendung der Glühlampe ihren gewaltigen Aufschwung genommen. DasLicht der Bogenlampe ist ein zu grelles, so daß dieselbe für viele Beleuchtungszwecke nichtbesonders geeignet erscheint; sie konzentriert zu viel Licht an einer Stelle, und in ihrerWirkungsweise kommt der Wahrspruch zur Geltung: Wo viel Licht ist, da ist auch vielSchatten. Gerade die grelle Abwechselung zwischen hellstem Licht und tiefstem Schattenmacht das elektrische Bogenlicht, insofern nicht besondere Maßregeln zur möglichst gleich-mäßigen Lichtverteilung getroffen werden, oft unangenehm; ferner ist der oft bleiche undin das Bläuliche spielende, mondscheinartige Lichtglanz des elektrischen Bogenlichtes nichtimmer zu einer entsprechenden Beleuchtung geeignet; jedoch ist es neuerdings durch geschickteKonstruktion der elektrischen Lichtmaschinen, wie sie insbesondere die AktiengesellschaftHelios baut, gelungen, diesem Lichte einen weicheren, ins rötliche schimmernden Farbentonzu geben. Immerhin ist aber dem Bogenlichte im allgemeinen nachzurühmen, daß es dieFarben der beleuchteten Gegenstände gut zur Geltung kommen läßt, nur für die Be-leuchtung von Gemäldegalerien hat man einer Mischung von Bogenlicht und Glühlicht, den Borzug gegeben, weil dadurch eine mehr dem Tageslicht entsprechende Beleuchtung zuerhalten ist. Unzweifelhaft ist ein etwas rötliches, im warmen Farbentone leuchtendesLicht, wie es die elektrische Glühlampe gibt, angenehmer als das kalte Licht der Bogen-lampe oder das in dieser Beziehung dem elektrischen Bogenlicht sehr nahe stehende AuerscheGasglühlicht. Wenn man aber bedenkt, daß bei Auswendung derselben Kraftleistung zurLichtentwickelung die erzeugte Lichtmenge bei rotem Licht gleich 1, bei gelbem Lichtgleich 28000 und bei grünem Licht, wie es ja auch auf eigentümliche Weise die leuchten-de» Insekten und andre Leuchttiere und Leuchtpflanzen entwickeln, gleich 100000, fürviolettes Licht aber gleich 1600 ist, so ist wohl ohne weiteres klar, daß es vom wissen-schaftlichen und wirtschaftlichen Standpunkte sehr gerechtfertigt erscheint, womöglich grün-liches Licht, wie es das Auersche Gasglühlicht gibt, anstatt des rötlichen Lichts derelektrischen Glühlampen oder das oft in das Bläulich violette spielende Licht der elektrischenBogenlampen zu entwickeln. Die elektrische Bogenlampe ist jedoch für viele Zwecke unent-behrlich geworden, wo es auf Lichtfülle ankommt, denn sie entwickelt in der That dieseLichtfülle in einer auf anderm Wege unerreichbaren ökonomischen Weise.
Die Bedingungen, welche eine gute Bogenlampe zu erfüllen hat, sind sehr vielfältig.Hauptsächlich kommt es dabei aber auf die genaue Wirkungsweise des Mechanismus an,der die fortwährende Einstellung der Kohlen auf eine gewisse Entfernung voneinanderzu besorgen hat. Denn da die Kohlen durch die Verbrennung aufgezehrt werden, sowürde, wenn sie unverrückt blieben, allmählich der Abstand der Spitzen ein zu großer
Das Buch der Erfind. 1. 78