Zündhölzchenfabrikation. 79
der ersten Mischung nicht befriedigt und stellte eine neue her, die nebst chlorsanrem Kali auchPhosphor enthielt; ein Versagen der Zündhölzchen bei dieser Mischung war ausgeschlossen,auch entzündete sich der Phosphor bei sehr geringer Reibung. Die Idee fand Anklang;in Wien entstanden 1833 die ersten größeren Zündholzfabriken von Stephan von Reiner,Sieg! und Johann Preshel. Aber auch diesen Hölzchen hafteten noch große Mangelan; es entstanden durch das sehr explosible Gemenge bei dcr Fabrikation viele schwereUnglücksfällc, so daß das Verfahren in vielen Ländern verboten wurde. Das gefähr-liche, chlorsaure Kali wurde schon 1835 durch Trevani in Wien durch Mennig undBraunstein und von Preshel in Wien 1837 durch Bleisnperoxyd ersetzt, womit dieWelt Phosphorzündhölzchen erhielt, wie sie noch heute im Gebrauch stehen.
Die schnelle Entwickelung und namentlich die rasche Verbreitung der Zündhölzchenwäre übrigens ohne eine zweite Erfindung, nämlich die fabriksmäßige und billige Massen-erzeugung der erforderlichen Hölzchen, ganz unmöglich gewesen; die Methode, Holzdrähte
durch Hobeln darzustellen, welche so bedeutungsvoll für die Zündholzindustrie gewordenist, wurde von Heinrich Weilhöfer aus Kobnrg, der seit 1808 als Modelltischler derWiener Universität bedienstet war, etwa um 1822 gemacht. Bis dahin mußten dieHölzchen einzeln abgespalten und mittels des Messers gerundet werden, eine Beschäftigungder Invaliden und Pfründner. Damals kosteten 100 Stück Zündhölzer noch 1 fl. Wiener-Währung. Weilhöfer konstruierte den Zündholzdrahthobel, dessen Schneide ein feines,schneidendes Nvhrchen bildete; auf jeden Hobelstoß fiel ein rundes Hölzchen nach der Längedes Holzes ab. Dieser Hobel steht bis heute noch im Gebrauche, nur daß statt einesSchneideröhrchens 25—30 derselben nebeneinander liegen. Das Römersche Etablissementverschaffte sich sogleich eine Maschine, die sechs solcher Hobel zugleich bewegte, und schondrei Monate später erhielt man 100 Zündhölzer um 12 Kreuzer Wiener Währung.
Weilhöfer erfand auch noch den Tnnkrahmcn, mittels dessen 10 000 Hölzchen aufeinmal mit der Zündmasse versehen werden konnten, während sie früher einzeln eingetauchtwerden mußten. Der Preis der Zündhölzer sank bald auf 3 Kreuzer pro 100 Stück.