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Die Färberei und Appretur nebst Bleicherei und Zeugdruck.
eine perennierende Pflanze mit vierkantigem Stengel, grünlichen kleinen Blättern und starkenreichlichen Wurzeln, deren Rinde die Farbstoffe fast allein enthält. Die Wurzel ist 30—36 einlang und — 1^/2 em dick, im Inneren von gelblicher, nach außen mehr rötlicher Farbe;Wurzeln von älteren Pflanzen sind reicher an Farbstoff als die jüngerer; im übrigen sind dieaus wärmeren Klimate» am reichsten an Farbstoff. Das Kraut, welches vorzügliches Vieh-sutter abgibt, wird im zweiten Jahre geschnitten, und die Wurzel» werden in Europa meist imdritten Jahre geerntet, während sie im Orient bis zum fünften und selbst siebenten Jahre inder Erde verbleiben, wobei der Farbstoff durch Öxpdation sich allmählich entwickelt. DieWurzeln werden gewaschen, getrocknet, von der locker anhängendcu Oberhaut befreit undkommen zu Pulver gemahlen oder ungcmahlcn in den Handel. Die frischen Wurzeln liefernetwa 25"/» Krapp; der Alizaringehalt der trockenen Wurzel dürste kaum mehr als 3"/» be-tragen. Die hauptsächlichsten Sorten sind: holländischer, elsässischer und avignoncr oder pro-vcncalischer Krapp. Die verschiedenen Sorten sind gclbrote bis rotbraune Pulver von starkemeigentümlichem Geruch und bittersüßem Geschmack. Der ungemahlcne Krapp heißt in derLevante „Lizari" oder „Alizari", daher der Name Alizarin . Vom avignoncr Krapp wirdder bessere auf Kalkboden gewachsene als „Rosec, der geringere von Snmpsboden als „Palus"bezeichnet. Schlesischcr Krapp wird je nach der Jahreszeit, in welcher er geerntet wurde,„Sommerröte" oder „Herbströtc" genannt. „Beraubter" und „unberaubtcr Krapp" sind dienach Entfernung der Schale, bczw. mit dieser gemahlenen Wurzeln. „Mnllkrapp" und „Korte-krapp" sind schlechtester holländischer Krapp. Meist wird der gemahlene Krapp in großenFässern 2—3 Jahre gelagert, wodurch er, wahrscheinlich infolge von Gärung, seine höchsteFarbkrast erreicht; bei viel längerem Lagern verliert er sie wieder teilweise.
Die wichtigsten Krappfarbstoffe sind Alizariu, Purpur in und Pseudopurpurin,ferner noch Lanthin oder Chlorogeuin, welches die Farben stumpf macht und daher schädlichwirkt; bei weitem am wichtigsten ist Alizarin. Im frischen Krapp sind die Farbstoffe alsZuckerverbindungen enthalten, die durch Fermente in jene und Zucker gespalten werden.Alizarin wurde 1826 zuerst von Robiquet und Colin durch Erwärmen von Krapppulvermit Schwefelsäure in Form von orangeroten Krystallen erhalten; mehr als 40 Jahre eifrigerchemischer Forschungen waren dann nötig, es künstlich darzustellen. Sehr ähnlich dem Alizarinist das Purpurin, ist aber durch die Eigenschaft, sich in siedender Alaunlösung mit gelbrotcr, grün-schillernder (fluoreszierender) Farbe zu lösen, und durch andere Kennzeichen leicht von ihmzu unterscheiden; da das künstliche Alizarin frei von Purpurin ist, so ist hierin ein Erkennungs-mittel gegeben, um festzustellen, ob ein Stoff mit natürlichem oder künstlichem Alizarin ge-färbt ist. Pseudopurpurin, der dritte Krappsarbstoff färbt nicht scisenccht; da es nur in Ab-wesenheit von Kalk färbt, Alizarin aber Kalk verlangt, und es sich auch beim Kochen unterBildung von'Purpurin zersetzt, so ist es ohne erhebliche Bedeutung. Den Bedürfnissen desKattundruckcs entspricht der gewöhnliche Krapp mit seinem geringen Farbstofsgehalt nur sehrunvollkommen, und dieser Umstand hatte nicht nur schon lange zu Versuchen der künstlichenDarstellung des Alizarins angeregt, sondern auch zur Bereitung reinerer Farbstoffpräparateaus Krapp geführt, welche heute nur noch historisches Interesse besitzen; erwähnt seien Garancinoder Krappkohlc, Garanccux, Pinkosfiu, Krappblnmcn und grünes Alizarin und Purpurin,welche hauptsächlich durch Behandeln von Krapp mit Schwefelsäure oder schwefliger Säureerhalten wurden; dem noch besseren künstlichen Alizarin mußten sie sehr bald weichen, habenaber jedenfalls das Verdienst, dessen Einführung erleichtert zu haben.
Mit den verschiedenen Beizen liefert Krapp sehr verschiedene Farben: mit Thonerde Rosabis Scharlach, mit Chrom stumpses Blaurot bis Karmoisinrot, mit Eisen Marron bis Rot-braun, mit Kupfer gelbliches Braun und mit Zinn rötliches Orange. Die Krappfarben ge-hören zu den echtesten, die wir besitzen; sie sind vollständig echt gegen Licht und Luft, Seifeund Walke, Säure und Lauge, Schwefeln und Chlor. Aus der Baumwollfärberei sind sievollständig verdrängt durch das künstliche Alizarin, welches unbedingt ebenso echte, aber reinereFarben als Krapp liefert und einfacher anzuwenden ist. Die Färbemcthodcn sind für Natur-und Kunstprodukt im wesentlichen die gleichen. Die wichtigste Krappfarbe auf Baumwollewar das (jetzt mit künstlichem Alizariu gefärbte) Türkischrot ls. u.). Auch in der Seidenfärberei ist Krapp durch Alizarin fast gänzlich verdrängt. Für Wolle dagegen wird Krappnoch jetzt ziemlich viel gebraucht, teils weil einige der für Krapp eingebürgerten Methodenfür Alizarin nicht anwendbar sind, teils weil Krapp mit Thonerdebeizc auf Wolle leichterwalk- und reibccht als Alizariu zu befestigen ist; es dürste dies durch die neben dem Alizarinim Krapp enthaltenen Körper, namentlich durch Gerbstoffe und Fette verursacht sein. — Wollewird mit Krapp derart gefärbt, daß sie zuerst mit Alaun oder doppeltchromsaurem Kali (unterZusatz von Weinstein« gebeizt und dann heiß ausgefärbt wird; Thonerdebeizc liefert trübesScharlachrot, welches durch Zusatz von Zinnsalz zum Beizbadc oder auch zur Farbflottefeuriger, aber etwas weniger walkecht wird; auf Chrombcize wird sehr echtes Braunrot er-halten. Oder die Wolle wird mit Krapp, meist zusammen mit Blauholz, Gclbholz uud anderenFarbhülzeru angekocht und dann mit Eisen- und Kupfervitriol oder mit doppeltchromsauremKali nachgebcizt; dieses Verfahren wird hauptsächlich für unbestimmte bräunliche Töne (Trab)gebraucht. — Außerdem findet Krapp Anwendung zur Bereitung der Judigowaidküpe, dienthier aber schwerlich als Farbstoff, sondern als Nährmittel für den Gärungsprozeß.