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Natürliche Farbstoffe.
Kochenille und die ihm verwandten Farbstoffe Keimes und Lac-Tye stellen die getrock-neten Weibchen verschiedener Schildläuse dar nnd entstannnen demnach im Gegensatz zn allenanderen Tcxtilfarbstoffcn, dem Tierreich. Kochenille, das Weibchen der Schildlans 0ooou8euoti, welche auf der Nopalpflanzc oder Oaotus opuntis. lebt, kommt hauptsächlich ans Gnatcmalannd den Kanarischen Inseln. Das geflügelte Männchen enthält keinen Farbstoff. Das Weibchen,das nicht geflügelt ist nnd ans der Pflanze sitzen bleibt, wird im Alter von drei Monatenabgelegt, m Strohkörbcn gesammelt und dann getötet; entweder geschieht dies durch Backenin Ösen, wodurch die feinere „Silbcrkochenille", so genannt wegen ihres glänzenden silberweiße»Aussehens, erhalten wird, oder die Tierchen werden in heißes Wasser getaucht, welches Ver-fahren von kleineren Züchtern gebraucht wird nnd die minder geschätzte „schwarze Kochenille"oder „Zaccatille" liefert. Das Gewicht einer getrockneten Kochenille beträgt '/,» Troy-Grainoder nag;, so daß rund 150000 Tierchen erst 1 llZ Kochenille geben; 1 da Kactus licscrt280—310 Kochenille. Der eigentliche Farbstoff der Kochenille ist die Karminsäure,eine Purpurbraune, in Wasser und in Alkohol leicht lösliche Masse, die sich in Kali-, Natron-und Ammoniaklangc mit prachtvoller Purpurfarbe löst und mit den übrigen Metalloxydenunlösliche, gesärbte Lacke bildet. Bei längerem Stehen in Ammoniak verbindet sich dieÄarminsänre chemisch mit diesem; hierauf beruht die Darstellung der Ammoniakkochenille,welche durch cinmonatliches Stehen einer Mischung von 1 llx feingcpnlverter Kochenille mit3—4 starker Ammoniakflüssigkeit erhalten wird und ebenso wie gewöhnliche Kochenilleangewendet wird, aber blaustichigere Farben liefert. Der berühmte rote Farblack Karmin,welcher als Malerfarbe, Schminke u. s. w. dient, wird durch Behandlung von Kochcnilleauszngmit Alaun bereitet.
Lac-Dye, das Erzeugnis der Lackschildlaus oder Oooous laeoa, welche auf gewissen Ficus-arten, namentlich dem Banyanbaum oder illious rslig-iosa in Bengalen, Burmah, Assani undanderen orientalischen Ländern lebt, wird als Nebenprodukt bei der Schellackgcwinnung er-halten. Die Tierchen vermehren sich auf den Bünmcn mit riesiger Geschwindigkeit. Dasdurch ihren Stich ausfließende Harz umhüllt sie, nnd in kurzer Zeit ist die Oberfläche derZweige bis znr Dicke eines Vicrtclzollcs damit bedeckt. Die Tiere werden kurz vor derBrutzeit getötet und der Farbstoff dann durch Ausziehen mit Wasser oder Lauge und Fällendes Auszugs mit Alaun gewonnen, während aus dem Rückstand der Schellack bereitet wird.Der Farbstoff des Lac-Dpe heißt Laccainsänrc und ist der Karminsänre sehr ähnlich. Auchdie Farben sind denen der Kochenille ähnlich, aber voller nnd echter.
KermeS, fälschlich Kermesbccre genannt, ist das Weibchen der Kcrmesschildlaus oder Oocousillioio, welche auf der Kerincsciche oder t^usrous ooooitera lebt. Ursprünglich aus Persien stammend wurde Keimes durch die Araber nach Spanien gebracht; im Orient wurde er seitundenklichen Zeiten zum Färben von Karmoisinrot (Kermcsinrot» gebraucht, auch im alte»Rom uud in Byzanz, und dient auch jetzt noch in der Türkei, Marokko, Spanien und Süd-frankreich zum Färben von Leder und Wollwaren, ist aber größtenteils durch die bessereKochenille verdrängt worden. Keimes und Kochenille enthalten den gleichen oder einen sehrähnlichen Farbstoff; die Farbkraft des Kermes ist aber nur etwa ein Zwölftel von der Kochenille.
Diese drei Farbstoffe färben mit den wichtigeren Beizen auf Seide nnd Wolle scharlach- undvnrpnrrote Farbtöne; in Betracht kommen hauptsächlich die ältere Thonerde- und die jüngereZinn-Beize, von welchen letztere Scharlach, erstere Karmoisinrot liefert; auch Eisenbeize, mitwelcher Purpurrot erhalten wird, findet zuweilen Anwendung. Meist werden Farbstoff nndBeize zusammen zum Bade gesetzt und der entstehende Farblack durch Weinstein, Weinsäure,Oxalsäure oder Salzsäure in Lösung gehalten; beim Kochen der Wolle in derartigem Badefärbt diese sich in vollen kräftigen Farben. Jedoch wird auch das Verfahren erst zu beizenund dann in einem zweiten Bade zn färben angewendet. Die mit diesen drei Tierfarbstoffenerhältlichen Farben sind ziemlich lichtecht und widerstehen dem Walken nnd Waschen, werdenjedoch durch Seifen etwas blauer, was sich durch Behandlung mit Säuren wieder beseitigenläßt. Für walkechte Farben und für scharlach- nnd karmoisinrote Uniform- und Besatz-Tuchewerden sie noch ziemlich viel gebraucht; im allgemeinen hat ihre Anwendung durch die Teer-farbstoffe nnd namentlich die sauren Azofarbstosfe sehr bedeutende Einschränkung erfahren nndist ihr Preis dadurch seit etwa 1880 sehr gefallen.
Von den gelben Natnrfarbstossen ist Gclbholz, auch Cubaholz, alter Fustik odergelbes Brasilienholz genannt, am wichtigsten. Es ist das Stammholz des Färbermaulbeer-baumes, Alorus tinotoria oder iUaclura tinotori», welcher bis zu 20 m hoch werden soll undin Brasilien, Mexiko und Westindicn heimisch ist; die besten Sorten kommen von Cnba nndTampiko (Mexiko ); das Holz kommt in Blöcken von ungefähr V, m Länge und Durchmesserin den Handel. Das Gelbholz enthält als Farbstoffe hauptsächlich zwei Substanzen, die ziem-lich leicht lösliche Moringerbsüure oder Maclnrin und die schwer lösliche Morinsüurc oderWorin. Einer Vorbereitung zum Färben durch Fermentieren oder dcrgl. bedarf das Gelb-holz nicht und wird unmittelbar in Form von Spänen oder gemahlen oder als Abkochung,vorwiegend aber als käufliches dickflüssiges oder festes Extrakt von gelbbrauner Farbe denFarbstoffen zugesetzt. Es wird stets mit Beizen gefärbt nnd liefert mit Thonerde- und mitZinnbeize Gelb, mit Chrombeize und Kupferbcize Olivgclb und mit Eisenbeizc Braunoliv;die Echtheit der Farben kommt der der Blanholzfarben nahe, wird aber durch viele künstliche