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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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648 Gewinnung und Verarbeitung des Leders.

Rindhäute, Kalbfelle, Schaf- und Ziegenfclle, Hirsch-, Reh- und Gemseuselle, ferner dieSpalte von verschiedenen Rohfellsvrtcn zn Sämischledcr und verwendet dasselbe vorzugs-weise für Handschuhe, Bandagenzwecke, Reithvsen, Putzleder und dergl.; die Sämisch-gerberei wird jetzt bei weitem nicht mehr in dem Umfange wie früher betrieben, als dasWaschleder noch in großen Mengen zur Herstellung von Kleidungsstücken diente.

Die Borbereitnng des Hantmateriales für die Sämischgerbcrci ist ähnlich wie die inder Obcrledergerberei; die Felle werden gut geweicht, im Kalkäscher reichlich geäschertund gehaart; dann wird mit dem Schabeisen der Narben zum größten Teile abgestoßen,damit das Fett beim Einwalken desselben leicht und vollständig in die Haut eindringenkann und damit das Leder im fertigen Zustande die genügende Weichheit besitzt. Hieraufkommen die Felle nochmals auf mehrere Tage in den Äscher und werden durchScheren von dein Untcrhantgewebe befreit; hiernach werden sie auf ein bis zwei Tagewiederum in einen Äscher gebracht, dann gewässert und in alter Kleienbeizc gebeizt.Nach der Beize werden die Blößen kurze Zeit gewässert, znr Entfernung eines Teiles

des in den Bloßen befind-lichen Wassers ausgewnndcnoder ausgepreßt und danndirekt dem Gcrbeprozesseunterworfen. Alan hat hier-bei zweiMethvden,die deut-sche und die französischeGerbemethode, zn unter-scheiden; bei der ersteren wer-den die Blößen mit derganzen, znm Gcrbeprozesseerforderlichen ThranmengezFisch- oder Rvbbenthran)bestrichen, zusammengefaltet,in der Hammerwalke Hz bis1 Tag gewalkt und ge-trocknet. Es folgt nun das„Färben in der Brüt",durch welches die chemischeVeränderung des Fettes,welche beim Walken und028. KammcrwaNic für KämifchlcLcr. Trocknen bereits eingeleitet

worden ist, fortgesetzt wird.

Bei dieser Operation werden die Felle aufgeschichtet und von Zeit zn Zeit wegen dereintretenden Selbsterwürmung umgelegt; wenn die Felle einen gewissen gelben Farbentonangenommen haben, ist der Gerbeprozeß als beendet zn betrachten. Bei der französischen Methode werden die Felle auf der Narbcnseitc mit Walthran eingerieben, in Kissen oderKugeln zusammengeballt, in geeigneten Mengen in die Walke gebracht und 2—3 Stundengewalkt; hierauf werden die Felle ausgebreitet, einige Stunden an die Luft gehängt,wieder mit Thran eingerieben und nochmals gewalkt; das Walken u. s. w. wird je nachder Stärke 6 —12 mal wiederholt. Nachdem die Felle genügend Thran aufgenommenhaben, werden sie getrocknet und wie nach der deutschen Methode auf die Brüt gebracht.

Nach vollständiger Gare muß aus den Fellen das überschüssige Fett entfernt werden;und zwar durch Ausringen, bezw. Auspressen derselben und nachheriges Auswaschen mitSoda- oder Pottaschelösnng oder durch letzteres allein. Das beim Ausringen gewonneneFett, das sich sehr leicht und vollständig mit Wasser emulsionniert und als Schmiermittelfür lohgares Leder hoch geschätzt wird, nennt man Moellon. Nach dem Ausringcnwerden die Felle zur Entfernung einer weiteren Menge vom Leder nicht gebundenen Fettesmit Sodalösung ausgewaschen; man erhält hierbei eine Fettemnlsion (vom Sämischgerber„Weißbrühe" oder „Nrlänter" genannt), aus welcher durch Zusatz von Schwefelsäure