Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
649
JPEG-Download
 

649

Sämischgerbcrei. Mincralgerberci.

vder Salzsäure das Fett wieder abgeschieden wird. Dieses als Nebenprodukt gewonneneFett, welches als „Degras" bezeichnet wird, findet dieselbe Verwendung wie der Motllon,ist jedoch nicht so geschätzt wie dieser. Nach der Entfernung des Fettes müssen die Felledurch sorgfältiges Auswaschen von der Sodalösung befreit werden, worauf sich dieTrocknung und Zurichtung anschließt. Hierzu werden die sämischen Leder auf demStollpfahle gestellt. Der Stollpfahl ist ein an einem senkrechten Brette befestigterSchlichtmond; während beim Schlichten das Fell fest hängt und das Instrument mit derHand bewegt wird, steht bei der Operation des Stollens das Werkzeug fest, und dasFell wird über die scharfe Kante desselben weggezogen. Durch das Stollen werden diesämischgarcn Felle genügend weich, und außerdem wird eine Egalisiernng beider Seitenerreicht. Danach werden die Felle geschlichtet und mit Bimsstein abgerieben oder aufeiner Schleifmaschine glatt geschliffen, damit beide Seiten ein vollständig gleichmäßigesund glattes Aussehen erhalten. Das Sämischledcr sieht in diesem Zustande gelb aus;soll es weiß werden, so muß es entweder in Bleichkammern mit schwefliger Säure, welchedurch Verbrennen von Schwefel erzeugt wird, oder im feuchten Zustande bei grellemSonnenlichte gebleicht werden. Für manche Zwecke, namentlich für die Verwendung alsHandschuhleder, wird das Sämisch-leder gefärbt (näheres hierüber beider Betrachtung der Lederfärberei).

Mineralacrberci.

Bei der Mineralgerbcrei hatman je nach der chemischen Naturdes Gerbmateriales zu unterscheiden:

Weißgerberei, Chromgerbereiund Eisengerberei.

Die Weiß gerb er ei verweildet als Gerbmaterialien Kochsalz,

Alaun, an dessen Stelle auchschwefelsaure Thonerde treten kann,

Mehl und Eidotter. Je nachdemnur einzelne dieser Substanzen oder Msämtliche zum Gerben herangezogen , - iwerden und je nach der Art des (MFellmateriales läßt sich die Weiß- -ilgerberei lvieder einteilen in: ge-wöhnliche Weißgerberei, unga-rische Weißgerbcrei, Pelzgerberei, Glacecgerberei und Kidgerberei. Das Kochsalzund der Alaun, bezw. schwefelsaure Thonerde, wirken direkt gerbend auf die tierischeHaut ein; das Eidotter verdankt seine günstige Wirkung dein Fett- und Eiweißgehalte.Das Fett des Eidotters, welches man als Eiervl bezeichnet, befindet sich in dem günstigenZustande einer außerordentlich feinen Verteilung, in welchem es die Eigenschaft hat,dem Leder eine große Weichheit und Milde zu erteilen; das Eiweiß des Dotters wirktauch gerbend, indem es mit dem Alaun einen sehr feinen Niederschlag gibt, der beimGerbeprozeß auch von der Haut aufgenommen wird. Beim Mehle ist der Hauptbestandteildesselben, das Stärkemehl, indifferent und nur der Eiweißgehalt von Bedeutung. Dasselbeverhält sich hier ebenso wie das Eiweiß des Dotters; der Niederschlag von Alaun undEiweiß macht das Leder voll und griffig. Das Stärkemehl spielt bei dem Gerbeprozessenur insofern eine Rolle, als es dazu dient, die kleinsten Teilchen des Eiweiß - Alann-niederschlages vor dem Zusammenballen zu schützen, in welchem Zustande dieselben vonder Haut nicht aufgenommen werden.

Das weißgare Leder ist nach dem Gerben und Trocknen hornartig steif und gleichtmehr getrockneter Blöße; den hohen Grad von Weichheit und Geschmeidigkeit erlangt eserst durch die Zurichtung (durch Recken und Stollen). Diese Lederart ist sehr wenig

Buch der Erfind. VNI. 82

Schleifmaschine für Sämischledcr.