Abschnitt III.
Krystallochemie.
Unter Krystallochemie verstehen wir die Lehre von den Be-ziehungen des atomistischen Baues der Molekel zum molekularenBau der Krystalle. Ueber das Wesen der Atome hat man sich zuverschiedenen Zeiten sehr verschiedene Vorstellungen gebildet, da sieunserer sinnlichen Wahrnehmung nicht direct zugänglich sind. DieAnnahme ihrer Existenz ist indessen noch heute für jede chemischeoder physikalische Speculation nicht zu umgehen. Wenn man früherdie Meinung gehegt hat, die Atome seien unendlich klein, odersie hätten überhaupt keine räumliche Ausdehnung, seien nur sog.Kraftcentra, Punkte, nach welchen gewisse Kräfte oder Bewegungengerichtet sind, so lässt sich weidgstens für die Atomaggregate, diewir als Molekel bezeichnen, diese Behauptung nicht durchführen,weil sie zu Folgerungen führt, welche mit beobachteten Thatsachennicht in Einklang zu bringen sind*. William Thomson machtes sogar sehr wahrscheinlich, dass der Durchmesser keiner Molekel
irgend einer Substanz im gasförmigen Zustande kleiner als 5 Q qoooqo
Millim. sei (Nature No. 22, 31. March. 1870. Popul. Vortrag. Sillim.Am. Journ. (2) 50. 38. Ann. Chem. Pharm. 1871. Bd. 157. p. 54).Welche'Grösse den Atomen in der Molekel zukommt, darüber könnenwir uns noch weniger bestimmte Vorstellungen bilden, denn wir habenkeinen Anhalt für die Schätzung der absoluten Anzahl von jenen,welche in dieser enthalten sind und ebenso wenig für die Schätzungder relativen Distanzen, *in welchen sie von einander abstehen. Wir