Buch 
Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
Entstehung
Seite
75
JPEG-Download
 

Nachricht von dem Kriege.

Cap. LIV.

75

würde es vergebens seyn, wenn man darüber zu gehen versuchen wolte, insdem es einem nicht gelingen würde.

Hiernächst muß man drauf sehen, ob der Fluß viele Insuln hat, und obfolche mit Gehölze bewachsen sind. In diesem Fall kan man sich einiger vonsolchen Insuln bemächtigen, aber den Arm des Flusses eine Brücke bis andie Insul schlagen, darauf zusehen, wie der Platz auf des Feindes Seite be-schaffen, ob derselbe von so einer Art, daß man sich daselbst, unter der Zeitda die Brücke zwischen der Insul und dem Ufer gebauet wird, auf keine Wei-fe fest setzen könne, wie nicht weniger ob die Armee, vermittelst dieses Aufenthalts, auf der rechten oder lincken Seite der Verschanzung übergehen mag,ohne daß sie vom Feind könne angegriffen werden, bevor sie ganz hinübersey, weil ausserdem das Vorhaben nicht angehen wird.

Sind es hingegen ausgewaschene Wege, da gar kein Fortkommens ist,die man paliren will, und der Feind stehet bey der Hand solches zu wehren,so muß man abermahl sehen, auf welcher Seite der Boden am höchsten ist,weil ausser dem diese Verrichtung nicht gelingen mag.

Eben so muß man die Beschaffenheit des Bodens wohl betrachten: istdieser feißig, so ist die Verrichtung schier unmöglich; bestehet er aber ausErde, die man auf beyden Seiten umwerffen und zu einer Böschung machenkan, so mag es wohl angehen. Jedoch ist in allen diesen Fällen die grösteSchwürigkeit, daß diese Art von Arbeit sehr langsam von statten gehet, unddaher von dem ersten Ungewitter in einem Augenblick wiederum zerstöhretwerden kan. Ich rede hier nur darvon, damit ich von allen Kriegs- Verrichtungen nichts übergehen möge.

Unter allen diesen verschiedenen Arten dieser siebenden Gattung desMarsches befindet sich keine einzige, darauf man bauen könne, sie werde wohtausschlagen, woferne man dem Feind an Macht nicht weit überlegen ist, ge-stalt dieses verschaffet, daß er nicht alles besorgen mag; oder aber es wäreetwa Sache, daß man mit einem General zu thun hätte, dessen Erkänntnißetwas enge Grenzen hatte, und daher in behöriger Weite sich nicht postiret,daß er seinen Feind abhalten könnte, sich zu unterstehen, in schimalen Gliedernvor ihm hin zu ziehen, ohne daß er zu befürchten hätte, sich zu einem Treffennöthigen zu lassen, ehe er Zeit gehabt sich in Ordnung zu stellen.

Ist aber der General mit seinem Anschlag so weit gekommen, daß erfeine Armee marfchiren låffet, eine Festung zu berennen, welches die achteManier zu marfchiren ist, so hat man darbey so wohl in Ansehung der Fesftung, die man berennen will, als auch der Wissenschafft dieser Bewegung,die man dem Feind allerdings vorenthalten muß, gar mancherley Dinge inacht zu nehmen. Dieweil aber in der Fortsetzung dieser Rede ein besonderes

K2

Capis