Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII. 69
Dieses Jahr über und die andern folgenden bis auf den NimägischenFrieden gieng der Krieg, in Flandern, allemahl offenfivè, und mit Erobesrung einiger Spanischen Festungen an; darauf aber verkehrte er sich in eisnen Krieg, der zwischen zweyen gleichmächtigen Staaten geführet wird:angefehen man da nur bedacht war, das eroberte zu erhalten, ohne daß mansich in Gefahr setzte, in einen Zufall zu gerathen, der vermögend gewesen wäre,die Beschaffenheit des Kriegs in eine andere Art, als die man sich vorgefezet, zu verwandeln, oder sich auch dahin bringen zu lassen, daß man de-fenfivè gehen müssen, welches hauptsächlich zu vermeiden ist.
In eben dem Jahr 1675. gab die Verachtung, mit welcher der Marsshall de Crequi cine Armee, die aus Hannoverischen und anderer Fürsten ihren Truppen bestund, kühner weise anfabe, betrübten Anlaß, daß er bey Con-Gaarbrücken, einem Dorff, geschlagen ward, und nachgehends den VersLuft der Stadt Trier verursachte. Die Feinde waren damahls gar nichtwillens, auf selbiger Seite, gegen Franckreich, einen Offensiv- Krieg zu führen, daraus wichtige Dinge erfolgen solten, unerachtet sie stärcker an Trupspen sich befanden, sondern sie waren nur darauf bedacht, wie sie den HerrnMarschall de Crequi von Trier wegbringen wolten, und würden sich sehrglücklich geachtet haben, wenn sie es hatten belagern und nicht in Furchtensteten tüfen, daß sie darinnen gestöhret werden möchten. Allein der Mar-schall de Crequi vergieng sich dabey so gar, daß er die vernünfftige Vor-sichten gar nicht gebrauchete, die man doch sonst anzuwenden pfleger, wennunan sich nahe bey einer feindlichen Armee befindet, die einem an Macht überslegen ist. Er bildete sich ein, daß die Güte seiner Truppen deren Anzahl er-sehen würde; dem ungeachtet aber bekam er Schläge, und veränderte, durchfein Versehen, die Beschaffenheit des Kriegs, der von der dritten Art warund seyn solte, und machte solchen, auf Seiten der Feinde, ganz und garoffenfiv, ob wohi diese sich derselben Begebenheit weiter nicht bedieneten, alsdaß sie Trier wieder einnahmen, darein sich der Marschall de Crequi, nachder verlohrnen Schlacht, geworffen hatte. Dieser Erfolg gab dem Herzogvon Lothringen im Jahr 1677. Gelegenheit, das Project seines Feldzugs zumachen, wie ich nachhero berichten werde.
Im Jahr 1676. fiengen die Feinde, welche uns, in Teutschland, anMacht weit überlegen waren, den Feldzug offenfivè an, und suchten allerhand Mittel hervor, wie sie den Marschall de I uxembourg, der des Königs Armee commandirte, Elsaß zu verlassen nöthigen möchten. Allein dieserGeneral fatzte sich mit seiner Armee bey St. Jean des Choux, ohnweit Saver-ne, und verschaffte sich dadurch so viel, daß ein Succurs, den ihm der König, nach der Eroberung der Festungen Condè und Bouchain, aus Flandern
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