Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII. 71
Und ob wohl der Herzog von Lothringen über die Saar gegangen, und beyMes so gar sein Lager aufgeschlagen hatte, so wufte ihm doch der Marschallde Crequi die Erlangung der Lebens- Mittel, vermittelst der Stadt Diedenhosfen, so schwer zu machen, und brachte ihn, durch kleine Partheyen, die sich des mitGehölze bewachsenen Landes vortheilhafft bedieneten, in Ansehung der Fütterung, dergestalt in die Enge, lagerte sich auch allemahl, neben den Herzog vonLothringen, mit so grossem Vortheil, daß dieser Fürst, nachdem er, an der Saar,einen vergebenen Versuch gethan, gezwungen ward, den ersten Theil seines An-schlags fahren zu lassen, und sich zu bemühen, ob er auf der Seite der Maasin Franckreich dringen könnte. Daher marschirte er bis Moudon gegenüber, der Marschall de Crequi aber gieng ihm stets so klüglich auf der Seiste, daß es ihm unmöglich fiel gegen unsere Grenze, oder unsere Armee, etwasvorzunehmen.
Mit dergleichen Bewegungen gieng also der ganse Feldzug vorbey, undunsere Feinde erlangeten dadurch weiter nichts, als daß sie sehr viele Leute einbuffeten, und von ihrer Reuterey und Equipagen eine grosse Anzahl Pferde verslohren. Darauf war die feindliche Armee zwar bedacht nach Elsaß zu marsschiren, und daselbst den Feldzug zu beschliessen; wie sie aber in diese Provingzu gelangen einen viel weitern Weg, als des Königs Armee, hatte, so kam dieseeher da an, als des Herzogs von Lothringen seine, auch hatte solcher über diesnoch dazu den Verdruß, daß er, bey seiner Dahinkunfft, vernehmen muste, welscher gestalt das Corps Truppen des Herzogs von Eisenach, nachdem es sich einswenig allzulange an der Kinze verweilet, seinem ganzlichen Untergange zu entgehen wäre gezwungen worden, durch die Kehler- Schanze, in eine Inful zu entsfliegen, diese Armee auch von dar nicht anders heraus gelangen mögen als versmittelst eines Paffes, den ihr der Marschall de Crequi gab, daß sie sich, überPhilippsburg, wiederum nach Teutschland begeben konnte.
Aus allen dem, was ich aniezo erzehlet habe, siehet man nicht undeutlich,daß unsere Feinde diesen Feldzug zwar offenfivè angefangen, die Geschicklichkeit und das gute Verhalten des Marschalls de Crequi aber diesen Offensiv-Krieg in einen, der zwischen Herren von gleicher Macht geführet wird, verswandelt habe, das beständige Dichten und Trachten des Marschalls, wie erüber seinen Feind die Oberhand erlangen möchte, ihm auch dieses, zu Ende desFeldzugs, so gar völlig zu wege gebracht, daß, nachdem der Herzog von Lothringgen, wegen schlimmen Zustandes seiner Armee, solche, noch vor des Königs seisner, aus einander geben lassen müssen, unser General, der sich zu der Belagerung Freyburg in groffer Geheim angeschicket hatte, so viel Zeit bekam, diesenOrt einzunehmen, ehe der Herzog von Lothringen nur einen Theil von seinerReuterey wiederum zusammen ziehen und dieser Stadt zum Entsas anrückenfonnte,
Im