74 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII.
ras gerne nicht tadeln, daferne der Herzog von Lothringen nur nicht hättemüssen über den Rhein gehen, wenn er Maynh, das drüben über diesemFluß lieget, hätte angreiffen wollen; allein deswegen ist ein General, wenner gleich eine stärckere und beffere Reuterey, als sein Feind, hat, nicht in demStande eine Brücke über einen Fluß, wie der Rhein, zu werffen, es machetauch solches den Übergang einer Armee keines weges leichter. Wenn sichalso der Marschall von Duras, der, auffer der Belagerung Mayng, keinenfeindlichen Anschlag zu befürchten hatte, sich näher, als er gethan, an denRheim gesetzet hatte, ist es nicht leicht zu gedencken, daß er den Herzog vonLothringen hätte nöthigen können bey Coblenz über den Rhein zu gehen, fallser ja mit aller Gewalt über offtgedachten Fluß hatte sehen wollen? Waredieses geschehen, so wurde in solchem Fall der Krieg nicht noch selbiges Jahrbis an die Thore zu Landau gelanget, noch von dem Herzog von Lothringen,ohne die Stadt Maynz, ausgehalten worden seyn, weil er von seinem Pro-viant stets allzuweit entfernet gewesen wäre. Nicht besser führete sich derMarschall d' Humieres in Flandern auf, massen er da, bey Walcourt, zurUnzeit einigen Verlust erlitte. Nachdem nun also die Stadt Maynz verslohren gegangen, so gab der König dem Marschall de Lorges Das Comman-do über seine Armee in Teutschland und im Anfang des Jahrs 1690. truger eben dergleichen über die Armee in Flandern dem Marschall von Luxem-bourg auf.
In diesem Jahr 1690. ließ der Herr Marschall de Luxembourg zurGnüge sehen, daß ein geschickter General gar wohl Mittel finden kan dieBeschaffenheit eines Kriegs zu verändern. Derjenige, welchen man felbigen Feldzug in Flandern zu führen vorhatte, war von der dritten Art, daDie streitenden Partheyen einander an Macht gleich sind, und darinnen dieGenerals Fleiß anwenden müssen sich solche Vortheile zu verschaffen, dadurchdie Natur dieses Krieges eine andere Gestalt bekomme. Darauf war nunder Marschall von Luxembourg mit besonderer Aufmercksamkeit bedacht.Inzwischen war ihm der Fürst von Waldeck überlegen, weil der Hof begehrte, daß der Herr von Bouflers, mit einem Corps Truppen, auf die Anschlägeunferer Feinde wieder die Festungen an der Nieder- Maas, sorgfältig achtunggeben solte. Daher, obgleich der Herr von Boufles unter des Marschallsde Luxembourg Commando stund, so konnte doch dieser General das Corps,welches jener commandirte, nur in so weit gebrauchen, als er die Beschirmungfelbiger Festungen an der Nieder- Maas dabey nicht aus der Acht ließ. Dochals der Fürst von Waldeck, nach vielen Bewegungen jenseit der Sambre,wobey ihn der Marschall disfeits des Fluffes stets ganz genau beobachtete,endlich sich bey Flerus lagerte, so erfahe der Marschall de Luxembourg, derDimmer