102 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII.
Ben Armee, in einer solchen Ebene halten dürffen, die, ob sie schon sehr gleich,Dennoch fast mit stetigen unwegsamen und engen Orten angefüllet ist? Versmöge der Beschaffenheit des Landes würde sie unfehlbar seyn gezwungen worden, uns, nach der Maasse, da wir angerücket, den Plak, auch so gar vonweitem, zu überlassen. Hätte sie sich etwa bemühet uns an dem Fouragirenzu hindern, so würde uns unser Fuß- Volck vor dieser Furcht verwahret hasben, welche man in Piemont ben weitem nicht so billig, als in andern Låndern, wo Krieg geführet wird, zu haben gezwungen ist. Hätte sie sich aberendlich hinter uns gehalten, um zu verhindern, daß wir aus Pignerol Con-voyen erhalten hätten, so war es, auf die Zeit, welche man zu Aufhebungder Belagerung vor Cafal brauchte, gar leicht, diesem Ungemach vorzubeugen,wenn man, statt des Brods, hätte Mehl auf unsern Karren bringen lassen:angesehen von Pignerol bis nach Cafal nur zwey und zwanzig FranzösischeMeilen sind, über dieses auch der Weg von Pignero! bis Turin so gar weitnicht ist, daß wir diese Reuterey nicht hätten vor uns weg- und bis über diessen Ort treiben mögen, so daß wir zum wenigsten gedachten Ort, wenn wirgewollt, bombardiren und in die Asche legen, und die Piemonteser Ebenegant verwüsten können, welches aber der Herzog von Savoyen schwerlichwürde gestattet haben. Solchemnach hatte es das Ansehen gar nicht, daßman, wegen Cafal, vernünfftiger weise etwas zu befürchten hätte.
Zum andern durfften wir, wegen Belagerung der Festungen Nizza undVilla Franca feines weges in Sorgen stehen: diese Oerter waren in gutemStande, und wir hatten auch, an dem Var. Fuß- Volck bey der Hand, daswir leicht hätten können hinein werffen. Waren auch des Feindes Absichtenauf selbige Festungen gerichtet gewesen, hätte er mit seinem Fuß- Volck ausDer Ebene von Piemont gehen, und seine Reuterey allein daselbst lassen müssen,um uns deren Besitz streitig zu machen. Immittelst durfften wir uns, aus gedachten Ursachen, die ich, wie von dem Anschlag auf Cafal geredet worden,angeführet habe, in Ansehung Nizza noch viel weniger fürchten, weil dasfeindliche Fuß- Volck, zu dieser Verrichtung, über das gesammte Alpen- Gebürge in der Grafschafft Nizza hatte gehen müssen; ja der Herzog von Savoyen konnte so gar sein grobes Geschütz, seine Kriegs- Nothdurfft und seinBred nirgends woher, als nur aus Oneglia oder den Spanischen Festungen,auf der Toscanischen Küste bekommen. Allein wie hätte er dieses zu einerZeit können möglich machen, da wir auf dem Mittelländischen Meer denMeister spieleten? Diefemnach war, wegen Nizza und Villa- Franca, abermahlnichts zu befürchten, und eben so wenig, wegen Antibes, aus vorhin ange.zeigten Ursachen.
Drittens hatten wir uns, wegen des Thals Barcelonette, und andererhinan