Buch 
Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
Entstehung
Seite
112
JPEG-Download
 

112 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. VII.

glücklich solte gelingen sehen, ließ der Marschall de Villeroi die ganze Armeesich auf die lincke Hand wenden, um bey Ifeghem oder Ifenghien, anderthalbeFranzösische Meilen drüber, den Fluß Mandel zu paffiren, mit Vorgeben, daßer ein Lager, welches er auf der Seite angriffe, nicht Colonnen weise anfallenwolte, daher denn der vom Schlaf erwachte Feind, in aller möglichen Eil,aufbrach, und fein gesammtes Lager ausraumete, ehe unsere gange Armee ein-mahl, bey Ifenghien oder Ifeghem, angelanget war.

Dieses ist ein Exempel, welches lehret, daß ein General, bey Gelegenheiten, die den Sachen den Ausschlag geben können, die Beschaffenheit einesKrieges zu verändern, und einen so wichtigen Ort, wie Namur, zu erhalten, voneiner solchen Geschicklichkeit seyn muß, daß er die Fehler, welche sein Feind besgehet, sich zu Nuz machen kan. Doch wird dasjenige, was ich anicko vor-gegeben, durch das, so den Tag darauf vorgieng, noch weit besser bestätigetwerden: immassen es allerdings das Anfchen hatte, als wenn die Herren deVilleroi und de Vaudemo at mit einander ftritten, wer unter ihnen die meistenFehler begehen könnte, wiewahl der Marschall de Villeroi diesfalls dennoch,vor dem Prinzen de Vaudemont, den Vorzug behauptete, wie ich iego gleichzeigen will.

Bernünfftiger weise hätte man nun wohl dencken sollen, daß der Printde Vaudemont, welcher einer so groffen Gefahr, darinnen er allerweile gestescket, glücklich entgangen, sich von unserer Armee so weit entfernen würde, daßer von solcher nicht erreichet werden könnte; gleichwohl that er solches keinesweges, sondern gieng hin und lagerte sich auf die Höhe bcy Artelle, so, daß.er das Dorff Enterghen vor sich, feinen lincken Flügel an dem Mandel, unddie rechte Seite gang und gar blos gegeben hatte. Der Marschall de Vil-leroi hingegen war über den Mandel gegangen, und mit seiner gesammtenReuterey von dein rechten Flügel, und mit der Brigade der Französischen Garde,angerücket; das übrige Fuß- Volck aber hatte er, nebst dem lincken Flügel derReuterey, zurück gelassen, und gedachtem Fuß Volck anbefohlen drey odervier Schlösser wegzunehmen, in welche die Feinde Infanterie- Posten geleget, welche die Fronte des Lagers, so sie alleweile verlassen, bedeckten, wegenKürze der Zeit aber dieselbigen, bey ihrem Abzuge, nicht räumen können. Diese elende Verrichtung währete nicht lange; darauf blieben die Truppen inColonnen, wie sie da gewesen waren, und erwarteten Ordres, wenn sie fortsrücken solten; doch bekamen sie dieselbe erst frühe um zwey Uhr, da sie dennihren Marsch antraten, und langeten um sechs Uhr vor dem Feind an, welcherauf der Höhe, bey Artelle in Schlacht- Ordnung stund. Nun war zwar dieFronte des Feindes sehr schwer anzugreiffen; allein es war ein überaus leichtes, daß man die Reuterey von dem rechten Flügel, nebst einigem Fuß- Belek,

über