Buch 
Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
Entstehung
Seite
134
JPEG-Download
 

134 Historische und Militarische Nachrichten. Cap.X.

falsch befindet, indem er sich, vermittelst einer Bewegung, davon man nichtsgewust, in den Stand setzen können, die Fehler, welche sein Gegentheil, ausNachläßigkeit, oder aus Mangel der Känntniß des Landes, darinnen er ist,begehen mögen, zu seinem Vortheil anzuwenden. Auch wäre der Prinz vonOranien, dieser Nachläßigkeit halber, bald zum andernmahl, bey Oudenarde,verlohren gegangen; hätte aber dieser Print das Land besser gekannt, so würde er die Höhen, welche über der Circumvallations- Linie waren, dem Pringenvon Condé nimmermehr gelassen, sondern sich, vor der Ankunfft der Königlichen Armee, selbst dahin gesezet haben.

In eben dem Jahr 1674. brachte es die genaue Kanntniß, welche derMarschall de Turenne von dem Elsaß hatte, so weit, daß er diese Provinz,gegen eine Macht, die der feinigen weit überlegen, erhalten konnte, auch mach-te ihn solche, bey vielen wichtigen Gelegenheiten, so gar zum Überwinder: wieDenn die letztern die Feinde nöthigten, daß sie die Winter Quartiere in demOber- Elsaß, darinnen sie recht fest zu fügen glaubten, schlechter dings fahren laßsen, und andere in dem Reich suchen musten.

Das Jahr 1675. giebet mir, vermittelst der Schlacht, die wir bey Con-Saarbrück verlohren, ein betrübtes Exempel von dem Mangel der Känntniß derLänder, darinnen man Krieg führet. Hätte der Marschall de Crequi die Fur-the in der Saar besser gekannt, so hatte er gewust, daß es, auf beyden Seitenver Brücke, Furthe gabe, und würde sich, mit seiner Armee, von gedachterBrücke und den Furthen nicht so weit gelagert haben, daß er nicht bey der Handgewesen wäre. Nachdem nun also die Feinde Nachricht erhalten, daß desMarschalls feine Reuterey auf Fütterung ausgegangen, so rückten sie in dreyZügen an nur gedachten Fluß. Darauf faßten die beyden Reuter- Colon-nen in die Furthe, welche auf den zwey Seiten der Brücke waren; der Zug desFuß- Volcks hingegen konnte, von dem Feuer aus dem Thurn, der auf derBrücke stund, und nur mit einem Lieutenant und zwanzig Mann besezet war,nicht zurück gehalten werden, also daß sich die ganze feindliche Armee sehr beshende, und disseit des Fluffes, in Schlacht- Ordnung befand, auf des KönigsArmee, die nicht Zeit gehabt sich ebenfalls darein zu stellen, so gleich losgieng,und selbige ohne Mühe in die Flucht schlug.

Hätte auch in eben dem Jahr, und schier zu einer Zeit, der GeneralMontecuculi die Renchen und die Kinzig wohl gekannt, so würde er des Kösnigs Armee leicht geschlagen haben, als sich diese, nach des Marschalls deTurenne Tod, von Sasbach nach Altenheim, wo ihre Brücke über denRhein war, zurück zog; oder aber wenn er selbiger nicht über die Kinzignachgefolget, in der Absicht sie anzugreiffen, wie er ohne begehrten Erfolgthat, sondern bey Straßburg, das ihm ergeben war, über den Rhein gegan

gen