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Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
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136
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136 Historische und Militarische Nachrichten.

Cap. X.

Wenn der Starschall de Luxembourg, in dem Jahr 1690. sich nicht aufDer Stelle die Känntniß des Landes zu Nuß gemacht, und eine kühne Bewegung, die er seinen ganzen lincken Flügel auf so eine Art thun ließ, daß diegesammte aufserliche Einrichtung seiner Schlacht- Ordnung dadurch verändertward, und ihn in die rechte Seite seines Feindes brachte, dem Fürsten vonWaldeck verborgen hätte, würde er die berühmte Schlacht bey Flerus nichtleicht gewonnen haben.

Jedoch rede ich von dieser Action nur in Ansehung der Materie diesesCapitels, damit ich zu erkennen gebe, daß man andere Manieren hat einLand zu kennen, als wenn man die Land- Charten studiret, oder mit denjenigen davon redet, die sich darauf verstehen. Zwar geben diese beyde ArtenLänder zu kennen eine allgemeine Vorbildung, nach welcher man einen Entwurff von einem Kriege oder Feldzuge machet; allein gar offt giebet ein munterer Blick eines gefchickten Generals, vermittelst der Vortheile, die er in derAction selbst, oder vor derselben, davon kein Augenblick einigen Verzug leisden soll, über seinen Feind erlanget hat, einer besondern Kriegs- VerrichtungDen Ausschlag.

Hätte in eben dem Jahr der Herzog von Savoyen, bey der Schlachtbey Staffardo, sein Land gekannt, würde er seine erste Linie fünffhundertSchritte weiter vorwärts gestellet haben, als er that, da es doch viele StunDen lang in seiner Gewalt stund. Durch diese Bewegung würde seine Ar-mee der Fronte, mit welcher des Königs seine an ihn kommen konnte, weitvorgesprungen seyn. Neben dem wäre fein rechter Flügel von Land- Häusernbedecket worden, dahin er zwar Fuß- Volck geleget, dieses aber von der Lisnie allzuweit entfernet war, als daß es selbige hätte beschirmen können. Auchwürde deffen lincker Flügel bis an einen alten Damm von dem Po gereichethaben, und also nicht leicht zu schlagen gewesen seyn, woferne er seine Einrich-tung auf diese Art gemacht hätte.

Ich rede aber von dieser Schlacht nur zu dem Ende, damit ich zeige,daß die Kanntniß eines Landes einem General soll spüren lassen, daß, wenngleich der Posten, auf welchem er seinen Feind erwarten will, gut ist, indessenaber ein besserer bey ihm in der Nähe vorhanden, und auch Zeit da ist selbigeneinzunehmen, er solches niemahls verabsäumen muß, weil offtmahls ein kleiner Vortheil, den man sich, durch seine Fähigkeit, verschaffet, einer groffen Besgebenheit den Ausschlag giebet.

Hätte der Churfürst von Bayern, und der Herzog von Savoyen, imJahr 1690. ihr Land besser gekannt, als des Königs Armee von Morette aufbrach und nach Saluzzo gehen wolte: waren diese beyde Fürsten, sage ich, anstatt daß sie in die Ebene von Revel disseit des Po marschirten, mit ihrer Ar-

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