Historische und Militarische Nachrichten.
Cap.XI. 143Kriegs, chne Zeit- Verlust, auf die Vollziehung des ausgesonnenen Vorhasbens gerichtet seyn soll, allerdings gar zu lange verweilete.
Der andere Fehler, welchen ich habe begehen sehen, und der weit groffer,als der gewesen, davon ich ieko geredet habe, ward anno 1690. von dem Herrnde Catinat, bey Eröffnung des Kriegs in Piemont, begangen.Des Königs Armeekonnte auf gleiche Weise, durch das Thal ven Sufe und über Pignerol, ankommen, und des Herzogs von Savoyen seine Truppen waren, zur selbigen Zeit, nochauf den Grenzen seines Staats herum vertheilet. Daher wäre es flug gethangewesen, daß, wenn man den Krieg mit einer vortheilhafften Offenfive anfangenwollen, man die Armee des Königs, in einem guten Lande, versammlet hätte, vonDaraus sie verwehren mögen, daß die Truppen des Herzogs von Savoyennicht zusammen kommen, und Turin beschirmen können, über dieses auch einen langen und bequemen Unterhalt würde gehabt haben. Alle diese Vortheile fanden sich in der Ebene von Millefleurs, bey Turin, und diese war iesdem von beyden Ausgängen, aus dem Thal von Sufe und von Pignerol aus,so nahe als wie dem andern. Diese Art des Königs Armee zu versammlen,verschaffte ihm die Ober- Macht für den ganzen Feldzug, und führte ihn aufeinmahl auf die grosse vorhabende Absicht, die man auf Turin hatte. Anstatt aber daß man die Armee auf diese Art versammlen sollen, fam Mr. de Ca-tinar aus dem Thal von Sufe heraus, woselbst er mit einem Theil seiner Armee stund. Auch that er weiter nichts, als daß er solche der Stadt Turinzeigete, und nachdem er darauf hingegangen, und den andern Theil, so beyPignerol war, abgeholet hatte, lagerte er sich bey Macel, wo er auch so gar vieleTage stehen blieb.
Durch diesen Fehler, den man, bey Antretung eines Krieges, welchen derHerzog von Savoyen nicht aushalten können, wenn er wäre recht angefangen worden, in der Art seine Armee zu versammlen begangen hatte, gab Mr.de Catinst diesem Fürsten so viel Zeit, als er brauchte seine Truppen bey Turin zu versammlen, und mit den Spaniern zusammen zu stossen, gestalt dieseaus dem Meyländischen, mit allem, was sie, aus diesem Staat, von Truppennehmen konnten, dem Herzog von Savoyen zu Hülffe kamen. Daher denndieser Krieg, welcher, bey seiner Ankündigung auf unfrer Seite, konnte, ja allerdings solte, offensiv seyn, durch diesen einzigen Fehler in der Art die Armeezu versammlen, gleich anfangs die Natur eines Kriegs zwischen gleichen Mach
ten annahm.
Der dritte Fehler ist ebenfalls von dem Herrn de Catinat begangen worden, als er des Königs Armee diffeit der Etsch zusammen zog. Zwar weißich wohl, daß man gefaget hat, daß er zu entschuldigen wäre, so viel seinePerson beträffe, weil er Befehl von Hofe gehabt, daß er nicht in die Staa
ten