180 Historische und Militarische Nachrichten.
Cap. XIX.
der Enz, und zwar an deren Ufer. Die Stadt ist mit einer guten Mauerumgeben, die man mit Leitern so leicht nicht übersteigen kan, und hat einSchloß inwendig in der Stadt. Hier sind zwey Thore, eins nach Pforzheim zu, das andere diesem gerade gegen über, an dem Ufer des Flusses, darüber eine bedeckte Brücke gehet. Die Feinde hatten hundert und funffzigMann zu Fuß und hundert und funffzig Dragoner hinein geleget. DieseBesagung war, wegen ihrer Wacht nach Pforzheim zu, überaus vorsichtig,nahm sich aber an dem andern Thor diesfalls allzu wenig in acht, massen sieglaubte, sie habe da nichts zu fürchten, weil man, wegen der schlimmen Wege,schwerlich dahin gelangen könnte, und zu dem hielt sie den Tag über, auf einerHöhe, von dar man das Pforzheimer Thor sehen konnte, eine Parthey vonzwanzig Mann, die sich also fort zurück zogen, wenn man auf sie los gehenließ, so daß am Tage nicht ein Mann aus Pforzheim geben konnte, der vondieser Parthey nicht gesehen ward. Das Thor zu Neuburg aber auf derEnz- Seite, so an die bedeckte Brücke stieß, hatte keine Zug- Brücke, auchkein Werck, das solche bedeckte, nur war oben über dem Thor eine Schild-Wacht, und unten auf der Erde ein Wacht- Haus mit funffzehen oder zwanBig Mann; jedoch wurden auf der Mauer öfftere Runden gethan.
Nachdem ich nun alles wuste, wie sich diese beschwerliche und verdruß-liche Nachbarn, in Ansehung ihrer Wacht, verhielten, so machte ich meineAnstalt, diesen Posten, vermittelst des Enz- Thors, aufzuheben, weil die Bessagung auf dieser Seite am wenigsten achtung gab. Ich wartete demnachyauf das Ende des Tages, damit mich die Dragoner- Parthey nicht sahe heraus marschiren, darauf aber gieng ich, mit sechs hundert Mann, gewisse Abwege, welche mich an dieses Enz- Thor brachten. Indessen fiel selbige Nachteine entsegliche Menge Schnee, und gleichwohl war mein Marsch so geheimund eilig, daß ich um Mitternacht bey dieser bedeckten Brücke über die Enzankam. Ich gieng darauf mit meinem Detachement über die Brücke weg,und als mich die Schild. Wacht, so über dem Thor stund, innen ward, soantwortete ich selbiger auf Teutsch, und sagte, daß ich eine Parthey von demund dem Regiment wäre, weil ich wußte, daß es in dem Würtembergischenim Quartier lag, und von einem Streiff, den ich gegen Fort- Louis gethan,zurück kame, båte daher eingelassen zu werden, indem ich vor Kålte nicht långer bleiben könnte. Als nun der Officier, so die Wacht hatte, von seinerSchild- Wacht geruffen worden, stieg er zu dieser hinan und redete mit mir,da er indessen zu dem Commandanten, der ziemlich weit von diesem Thor, aufdem Schloß, sein Quartier hatte, hingeschicket und ihm davon Nachricht ge-ben ließ. Unter diesem Discurs schraubte man die Petarde se ruhig an, daßgemeldeter Officier solches nicht ehe innnen ward, als bis sie in dem springen
foite.