194 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXIII.
als wenn man ihm in dem Gesicht stunde: angesehen man stets voraus sehenmuß, daß der Feind von der Unachtsamkeit, mit welcher man solche Bewegung vornåhme, gar leicht Nachricht erhalten, und sich in den Stand gesetzethaben kan, sich dieselbige zu Nutz zu machen.
Bey dieser Gelegenheit glaubte der Prinz von Oranien, der bey Leuzecampirte und den Bach Catoire hinter sich hatte, keines weges, daß Mr. deLuxembourg, so unter Tournai, und sechs Meilen also von ihm stund, vonfeinem Aufbruch so zeitlich benachrichtiget werden könnte, daß er diesen Marschyvon sechs Meilen zu thun und feinen Nachzug anzufallen im Stande ware,ehe solcher über erwähnten Bach gesetzet hatte; allein eben dieses Verstrauen machte, daß selbiger geschlagen ward, wie ich es schon anderwärtserzehlet habe.
Das dritte Erempel ist das von dem Treffen bey Luzara, anno 1702.welches zu dem Fall gehöret, da eine Armee auf ihren Feind anrücket, dasCorps aber, so davon abgeschicket worden, ihren Marsch auf das genaueste zubeobachten, nicht weit genug hinaus und über den Platz weg gelet, den dieArmee zu ihrem Lager einnehmen will. Es war schon an dem, daß des Königs Armee, einen Augenblick nach ihrer Ankunfft, an dem Ort ihres Lagers,folte überfallen und geschlagen werden, daferne nicht ein ungefährer Glücks-Fall schon gedachter massen Anlaß gegeben, daß man den Feind, der sichhinter einem Damm des Zero, ohne daß man es wuste, verborgen hielt, solchergestalt entdecket hatte.
Das vierte Erempel ist die Schlacht bey Speyer, so zu dem Fall gehöret, da eine Armee, gegen ihren Feind, den sie angreiffen will, Colonnen-weise anmarschiret, ihn auch in solcher Pofitur, und ohne sich in SchlachtOrdnung zu stellen, würcklich schläget. Allein ob schon dieses Treffen glücklich abgelauffen, so werde ich dennoch sagen, daß es zu keinem Erempel derNachfolge dienen foll: allermassen eine glückliche Begebenheit, die sich ohneGrund, und wieder alle gute Maximes, zugetragen hat, niemahls zu einerRegel gemacht werden muß.
Das fünffte Exempel ist die Schlacht bey Caffano, und gehöret zu demFall, da eine Armee auf ihrem Marsch neben der feindlichen in einem gebüschigenLande, hergehet, dieweil ihr aber eine kleine Höhe das Geficht entziehet, aufdie Meynung fällt, daß, weil sie mit einem Bach bedecket ist, sie sich, ohneeinige Furcht, ganz nahe an ihren Feind, dessen Bewegungen ihr nicht beePannt, ausbreiten, und es wagen könne, ihre Linie, durch die Armee von diesemBach, abgesondert zu halten. Allein es ist gewiß, daß, wenn die GeneralssPerson von des Pringen Eugenii feiner Armee welche er Paradifo gegen übergelaffen, damit selbige dem Herzog von Vendôme stets eine Spike zeigen
folte,