198 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXV.
gedachter massen verschanzte fel wenigstens eine Zeit lang behaupten könnten, weil die Festungen an erwähntem Fluß mit starcken Besatzungen verseshen wären. Gleichwie aber der Raum, den sie vertheidigen wolten, sich sehrweit erstreckete, so befanden sie sich allenthalben auf gleiche Art schwach, undwaren nicht vermögend, dafelbst einigen Wiederstand zu thun.
Dieses Exempel machet wahr, daß es unmöglich ist, die Ufer eines Flufses zu bedecken, wenn der Platz, so bewahret werden soll, sich sehr weit erstrecket:weil der angreiffende, der an vielen Orten anzugreiffen scheinet, damit seinesFeindes Macht trennen und selbigen für unterschiedene und von einander ent-legene Gegenden auf gleiche Art besorget machen möge, endlich den Ort, woer den wenigsten Wiederstand findet, angreiffet, und allemahl die Wercke unddie Wachsamkeit seines Feindes besieget, vornehmlich wenn er sich, zu Voll-ziehung seines Vorhabens, der Nacht bedienet, weil diese Zeit bequem ist, denOrt zu verbergen, dahin er seine vornehmste Absicht gerichtet hat.
Jedoch will ich hier von dem berühmten Übergang über den Rhein beyTolhus, so faft zu einer Zeit erfolget, allhier nichts gedencken, weil es cineAction ist, dabey die Verwegenheit allein der Grund ihres glücklichen Aus-gangs gewesen ist, und niemahls als ein Exempel, dem man nachzufolgen ha-be, angeführet werden soll.
Zu Ende nur gedachten Jahrs 1672. war der Marschall de Turenne, indem Churfürstenthum Trier, in der Gegend Coblent; als er aber die Trup-pen, welche ihm der Pring von Condé von der Ober- Mosel zugeschicket, ansich gezogen hatte, so entschlosse er sich, den Churfürsten von Brandenburg ausWeftphalen zu vertreiben, als welcher nicht geglaubet, daß es der Marschallde Turenne, in felbiger Jahrs- Zeit, möglich machen und eine Brücke überden Rhein schlagen könnte, und daher seiner Armee, zwischen dem Rhein undDer Weser, die Winter Quartiere gegeben hatte, auch glaubte, daß solche dagar wohl gesichert wäre. Nichts desto weniger ließ der Marschall de Turen-ne, bey Wesel, mit so grofser Behendigkeit, eine Brücke schlagen, daß seineArmee über gemeldeten Fluß gieng, ehe der Churfürst Zeit hatte, feine Quar-tiere zu versammlen, auch hub er diese mit ziemlicher Unordnung auf, und ließsolche, in besondern Hauffen, über die engen Derter bey Berckenbaum wegmarschiren, massen er sich so gar auch da nicht aufhalten durffte, sondern giengabermahl über die Weser, und überließ also ganz Westphalen dem Marschallde Turenne, welcher darinnen seine von den vielen Märschen abgeinattete Arsmee, den Winter hindurch, ganz ruhig wiederum in guten Stand setzte.
Dieses Exempel schicket sich vollkommen wohl für die beyden Subjectader Materie, davon ich in diesem Capitel handele. Man kan die Behendigskeit des Marschalls de Turenne über den Rhein zu gehen, che der Churfürst
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