Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXV. 199
von Brandenburg Zeit haben können, seine Quartiere zu verfammlen, und dennauch die Hurtigkeit, mit welcher dieser grosse General seine Armee bis an dieEnge bey Berckenbaum rücken ließ, nicht fattsam loben. Denn es ist gewiß,daß es dem Marschall de Turenne nichts würde geholffen haben, daß er überden Rhein zur selben Jahrs- Zeit gegangen, daferne er nicht den Churfürstenvon Brandenburg aus Westphalen gänzlich vertrieben hätte, wie er dennauch die Quartiere seiner Truppen nicht sicher einrichten mögen, wenn er nichthochgedachten Fürsten über die Enge bey Berckenbaum und die Weser hinausgetrieben hatte. Solchemnach finde ich, bey dieser Gelegenheit, daß der Übersgang über einen grossen Fluß, vermittelst der Eile, so man zu Anlegung einerBrücke, in einer so beschwerlichen Jahrs- Zeit, gebrauchet, glücklich vollzogenworden, und daß der Nußen dieses Übergangs über solchen Fluß gewesen, daßdie Armee bis an einen engen Ort gelanget, dessen Befis den von einander gesonderten Quartieren welche man diese Armee einnehmen lassen will, hinlänglische Ruhe zu wege bringet.
In dem Monath Decembr. 1688. überfiel ich die Brücke bey Dillingenüber die Donau, welche durch fünffhundert Mann bewachet war.da Die Feinde hatten von der Brücke, die von Holtz war, den mittelstenBogen abgeschnitten, und eine Zug Brücke dahin gemacht, welche, gegenBayern zu, aufgezogen ward, und die fünff hundert Mann hatten, an jenemEnde der Brücke, eine grosse Redute innen. Als ich mich nun der Donaunåberte, fand ich die Zug- Brücke aufgezogen, und besagte Wacht in die Re-Dute und auf beyde Seiten der Brücke, hinter die Zug- Brücke, gestellet. Diesses war also die Anstalt der Feinde.
Damit ich selbige aber nun nöthigen möchte diese Brücke zu verlassen, sostellete ich meine Sachen folgender massen an. Als ich mich dieser Brückenäherte, erkannte ich, daß die Feinde die Zug Brücke nicht mit Löchern ver-sehen hatten, daher denn die Leute, so ich auf gemeldete Brücke rücken ließ,vor dem Feuer des Feindes, so auf der Brücke stund, bedecket ware, und daßan dem Ufer des Flusses, gegen Dillingen zu, Hauffen von kleinen tånnenenBalcken wären. Ich stellete daher, hinter diese kleine Balcken, Dragoner zuFuß, welche auf die Feinde, so drüben über der Zug- Brücke auf der groffenBrücke stunden, dergestalt Feuer gaben, daß sie dieselben zwungen, diesen Theilder Brücke zu verlassen, ausgenommen was sich nach der Zug- Brücke hin inSicherheit sehen konnte, wiewohl diese weiter nicht, als von dem Feuer ausDer Redute, beschirmet ward. Um mich aber darwieder zu bedecken, ließ ichdie Brücken- Lehnen mit kleinen Balcken besetzen, und hiernächst auf die Re-dute starck Feuer geben, welches desto füglicher geschehen konnte, weil selbigean einem Ort lag, der niedriger als die Brücke, und daher mein Feuer vielstärcker, als das aus der Redute, war,Wie