200 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXV.
Wie ich darauf nahe an die Zug- Brücke kam, fabe ich, daß die Feinde,welche erst vor kurzem den Bogen abgeschnitten hatten, daselbst eine ZugeBrücke anzulegen, die Balcken, darauf die aufrecht stehende Hölzer derSchlag- Balcken gebracht waren, ihrer Länge nach, gelassen hatten, und aufjeder Seite acht oder zehen Schuhe hervor ragten, daher kam ich auf die Gesdancken, daß ich auf die Brücke über gedachte Balcken kleine Balckgen legenließ, und solcher gestalt zwey kleine Brücken zuwege brachte. Nach diesemließ ich auf beyden Seiten der Zug- Brücke, von solchen zwey Brückgen, abermahl kleine Balcken, auf die Rande der Brücke inwendig an die Zug- Brückehinüber legen, weil ich sahe, daß die Leute, welche sich hinter der Zug- Brückeverdeckt gehalten, diesen Ort verliessen, ohnerachtet sie daselbst vor meinemFeuer gesichert waren. Vermittelst dieser neuen Brücke schlugen nun einigeDragoner das Schloß an der Zug- Brücke mit ihren Aerten entzwey, daraufDenn alle Dragoner anrückten und mehr- gedachte Redute angreiffen wolten;allein sie ward von den Feinden so fort verlassen, die Stadt Augspurg hinsgegen genöthiget, die Contribution zu bezahlen, ob solche gleich zwölff Meilenvon dar gelegen ist.
Ich habe diese Action, welche ich damahls zu vollbringen bemühet gewesen, aus keiner eiteln Nuhmsucht umständlich beschrieben, sondern blos zuzeigen, daß diese Art von Kriegs- Verrichtungen auf gar sehr vielfältige Manieren vollstrecket werden kan, welche man denn, nach der Natur und Beschaffenheit des Vorhabens, so man in das Werck zu richten gemeynet, allerdingsappliciren und gebrauchen muß.d
Denn wie ware mir, bey diesem Vorhaben, möglich gewesen, mich derDillinger- Brücke zu bemeistern, da ich keine Stücken hatte, die Redute zu besschieffen, kein Fuß- Volck, und keine Schiffe, anderwärts Diverfion zu machen,wenn ich nicht aufmerckfamlich betrachtet, daß der Feind die Zug- Brückenicht mit Schieß- Löchern versehen hatte, und mithin unvermögend wäre, michabzuhalten, auf der ganzen halben Brücke zu agiren; ingleichen wenn ich michnicht gedachter Balckgen bedienet hatte, erstlich gleichsam zu einer Brustwehr,Durch mein Feuer, die Arbeit, so ich auf der Brücke machen ließ, zu versichern,zum andern mir ein weit grösser Feuer, als das aus der Nedute, zu verschaffen, drittens ermeldete kleine Brücken zu verfertigen, durch deren Hülffe ich dasSchloß an der Zug- Brücke entzwey schlagen ließ.
Dagegen machten die Feinde, bey der Gelegenheit, davon ich gleich re-Den will, eine Brücke über den Rhein fertig, ohne daß ich mich darwieder sehenkonnte. Solches geschahe in dem Jahr 1672.
Man weiß, daß, wenn der Rhein austritt und über seine Ufer gehet, felbiger in alte Fluß- Gråben läufft und solche mit seinem Wasser anfüllet, jeden-RC sun and un noch