Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXV. 201
noch aber die erhabensten Erd- Plage dergestalt frey laffet, daß sie zwischen demrechten Graben des Rheins, und solchen alten Fluß- Gråben trocken bleiben.Zu einer solchen bequemen Zeit geschahe es nun, daß die Feinde, welche aufder Insul Santhoven gegen über stunden, sich vornahmen, ihre Brücke anzuslegen. Immittelst schickte unser General, der neun Meilen von dar, beyMarckheim, stund, mich hin, daß ich über ein von seiner Armee abgesonderstes Corps das Commando nehmen und die Feinde etwas genauer beobachtensolte. Als ich aber daselbst ankam, so fand ich die Brücke von der InfulSanthoven an bis an das Land gang fertig, auch war das Wasser davor,in dem alten Rhein- Graben, noch sehr hoch, und die ganze feindliche Armeebereits hinüber auf solchen Erd- Raum, der gar sehr wichtig war. Indemich mich nun solcher gestalt nicht einlassen, und der gesammten feindlichen Ar-mee, wenn das Gewässer in dem Rhein fiel, und der alte Fluß- Graben trocfen würde, so in sehr wenig Stunden geschiehet, mich nicht wiedersehen undentgegen stellen durffte, so sabe ich mich gezwungen, mich hinter den Speyerbach zurück zu ziehen, nachdem ich zuvor unserm General davon Nachrichtgegeben hatte.
Dieses Exempel wird darum erzehlet, daß man lerne, daß, wenn manfich der Anlegung einer Brücke über einen Fluß von nur- gedachter Art wiesdersehen will, folches mit gutem Erfolg nicht geschehen mag, daferne mannicht eine gleich starcke Armee hat: allermassen ein kleines Corps sich so nahenicht in Gefahr sehen und der Beschwerlichkeit unterwerffen darff, sichgeraden Fuffes vor einer stärckern Armee zu befinden, so bald nur der Sheingefallen und das Erdreich seines alten Grabens trocken zurück gelassen, obman gleich meynen sollen, es wäre ein Fluß, wenn man das Land nicht gekannt hatte.
In dem Jahr 1694. fehlete es dem Prinzen von Oranien, auf seinemMarsch von der Mehaigne an die Schelde, an der nöthigen Eile und erforderten Sorgfalt, damit er eine Brücke in Oudenarde bereit haben, und vorder Ankunfft der Armee des Herzogs von Luxembourg, sich bey Haute Rive,an der Schelde, seßen können. Daher konnte er auch sein Vorhaben nichtvollstrecken und sich der Festung Cortrich bemeistern, viel weniger aber seineFutter- Quartiere, auf der Königlichen Herrschafften Unkosten, einzunehmenin dem Stande seyn.
Dieses Exempel thut dar, daß bey Uberfällen der Flüsse und engen Derter, auf deren Ausgang es hauptsächlich ankommt, wenn ein Vorhaben vollstrecket werden soll, ein General wachsam seyn und seinem geschäfftigen Feindzuvor kommen muß, damit er seinen Anschlag bereits vollzogen hat, ehe derFeind in dem Stande sey, sich dessen Vollstreckung zu wiedersehen, ja er sollZweyter Theil,
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