Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXV. 203dasselbe kan ich mir nimmermehr einbilden, weil der Herzog von Vendômeallzu viel Verstand hat, als daß er dieses hätte glauben können.
Denn 1. ist der Vortheil von den Ufern der Schelde, in selbigem gan-Ben Raum, für denjenigen, welcher zwischen der Lys und der Schelde stehet.Daher ist es ihm überaus leicht seine Batterien zu den Stücken dermassenvertheilhafft anzulegen, daß er die Schlagung seiner Brücke ausführen, undDeren Ausgang bedecken kan.
2. Ist der Fluß enge, und mithin brauchet man wenig Schiffe zu einerBrücke, und nur kurze Zeit dieselbe anzulegen.
3. Waren zur selbigen Zeit die Nächte sehr lang, und daher die Beswegungen des Feindes gar lange unbekannt. Also daß ich mich versichertachte, daß, wenn gleich Mr. de Souternon, welchem gegen über der PrinsEugenius seine Brücke geschlagen und über die Schelde gegangen, das seinigethun und die Schlagung gemeldter Brücke hindern wollen, so würde Mr. deVendôme dennoch nicht Zeit genug gehabt haben, ein Corps zu verfammien,das vermögend gewesen, sich dem Übergang des Prinzen Eugenii zu wieder-setzen, immassen ich frets geglaubet, daß es bey diesem stünde, über die Scheldezu gehen, wenn es ihm nüßlich seyn würde, dasselbe zu vollbringen, weil es,nach der Einrichtung, die Mr. de Vendôme solches zu verwehren beliebet hatte,freylich nicht anders seyn konnte.
Ich will also meinen Anmerckungen über diese Materie ein Ende machen,indem ich nochmahls sage, daß der General, welcher sich am meisten ausbreitet, um zu hindern, daß seine Feinde ihm nicht unversehens über einen Flußgehen, gleich derjenige sey, der sich der Vollziehung eines solchen Vorhabensam allerwenigsten wiedersehe, sondern daß das einzige Mittel sey, sich ein dersgleichen feindliches Project zu verwehren, wenn man sich fein beysammenhålt, und zwar auf so vernünfftige Art, daß man, in Ansehung der Oerter,wo der Feind seinen Übergang unternehmen kan, bey der Hand seyn möge,auch soll man an den Ufern des Flusses muntere Leute haben, damit man un-aufhörlich Nachricht erlange, wie sich der Feind anstelle; jedoch müssen estüchtige Leute seyn, welche die scheinbaren Bemühungen von den wahren zuunterscheiden wissen, damit man Zeit habe, mit der ganzen Armee, auf denFeind los zu gehen und ihn anzugreiffen, entweder ehe derselbe völlig herübergegangen, oder ehe er sich formiren und in Schlacht- Ordnung stellen können,nachdem er herüber gekommen ist.
Diese Grund Regel ist auf gleiche Art gut zu beobachten, wenn maneinen Feind abhalten will über einen grossen Fluß, oder durch einen wichtigenengen Ort, zu gehen: weil bey diesen beyden Gelegenheiten der Erfolg gewißist, wenn man nur eine hinlängliche Macht vor seinen Feind stellen kan; undCc 2
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