Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXIX. 211vorhergehenden erfolget, ingleichen wegen innerlichen Unglücks des König-reichs, allwo das ausgefåete Getreide ganz und gar nicht gerathen, und dennauch wegen der wenigen Sorgfalt, so man getragen, dieser Armee die Furchtzu benehmen, daß sie nicht alle Tage Hungers sterben möchte, durch allesdieses, so weit gebracht, daß er selbige stets ihren Unterhalt selbst suchen lassen müste, ohne daß er sich iemahls versichert achten konnte, daß er auf achtTage Brod haben würde. Aus dieser betrübten Erzehlung siehet man, wiesehr der Marschall de Villars eingeschräncket war, nicht allein darum, weil esihm schlechter dings an Lebens- Mitteln fehlete, sondern auch weil es ihm ganzunmöglich war, von den Oertern entfernet zu leben, von dar aus man ihm daswenige Mehl, so man in der Picardie zusammen bringen konnte, herzuzubrin-gen vermögend war. Hingegen hatten die Feinde in Ryffel, an der Lys, undvon der See- Seite her, alles, was zum Unterhalt ihrer Armee nöthig war,wie nicht weniger die erforderte Kriegs- Nothdurfft, wieder des Königs Festungen etwas vorzunehmen. Solchemnach hatte der Marschall de Villars, weiles ihm unmöglich fiel, seiner Armee einige Bewegung machen zu lassen, aufgleiche Art zu befürchten, daß die Feinde die Festungen an dem Meer, die indem Atrechtischen, Douai, und die an der Schelde angreiffen möchten.
Ehe sich nun die Feinde entschlossen, Tournai oder Dornick zu belagern,gaben ihm dieselben Anlaß, daß er ganger zwey Monathe für alles dieses un-umgänglich sorgen muste; und gleichwie selbige, zwischen der Deule und derScarpe, beysammen stunden, so zwangen sie ihn, daß er sich von der AbteyAunai an bis an Denain an der Schelde ausbreiten muste. Aus dieser ge-raumen Lage siehet man, daß der Marschall genöthiget war, sich allenthalbenin den Stand zu setzen, damit er, mit einem Theil seiner Armee, einem allgesmeinen Anfall des Feindes so lange wiederstehen könnte, daß er hoffen dürffte, es würde der andere zu ihm stossen, ehe er über den Hauffen geworffenwürde.
Ein solches Unternehmen war auf Seiten der Scarpe auf gleiche Artzu fürchten. Der Feind hatte, an diesem Fluß, die Abteyen Hannon undS. Amand, und, bey dem Zusammenfluß der Scarpe und der Schelde, Mor-taigne eingenommen. Auf Seiten der Deule oder Dulle konnte er bey laBaffée heraus kommen, und auf Bethune, oder gar auf Aire, los gehen, und sichder Lys gebrauchen, alles, was ihm zu der Belagerung dieses Orts nöthigwäre, herben zu führen. Solche Stellung des Feindes nöthigte also denMarschall de Villars, Mittel zu suchen, den Feind auf zwey Haupt- Unternehmungs- Puncte zu bringen, falls er einige Theile von dem Anschlage, den wiram meisten zu fürchten hatten, nehmlich auf Bethune und Aire, oder gar aufDouai, daran uns ein sehr grosses gelegen war, auszuführen bemüher seyn
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wolte: