Buch 
Geheime und sonderbare Kriegs-Nachrichten des Marggrafen von Feuquieres / Antoine Feuquières de Pas
Entstehung
Seite
223
JPEG-Download
 

Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 223welcher durch ein überschwemmetes Land gieng, die mindeste Nachricht erhalten hatte. Inzwischen befand er, daß die Camericker- Brücke weder abgebrochen noch bewachet war, also, daß das ganze Fuß- Volck zwey Stundenvor Tage bereits auf der andern Seite des Canals stund; so bald aber derTag nur ein wenig anbrach, ließ der Herzog von Luxembourg, weil dieseZeit zu Angreiffung der Verschankungen oder Linien bequem ist, die Verschanzung, so um eine Wind- Mühle herum war, so fort angreiffen, welcheDenn auch bald erobert ward. Darauf breitete man sich in der Überschwemmung aus, die auf selbiger Seite nur zwey Fuß tief war: man griff die andern Verschanzungen, welche aus Mangel der Zeit nicht bedecket werdenmögen, und nur von fornen gut waren, nach diesem auf der Seite an, unddrang bis an den Damm des alten Rheins; die Verschanzungen aber, so aufder Seite von Harmelin waren, liessen wir hinter uns. Endlich wurden diese Verschanzungen, nach einem von den hefftigsten Gefechte des Fuß- Volcks,so ich iemahls gesehen, und über fünff Stunden währete, mit Gewalt erobert,und der Ort entsetzet, wobey auf der feindlichen Seite über sechs tausendMann getödtet oder gefangen, auch eine sehr grosse Menge Officiers, und dassämmtliche Geschütz, so auf den Verschanzungen stund, eingebüsset worden.

Dieses ist also ein merckwürdiges Erempel beydes der Hurtigkeit desHerzogs von Luxembourg, welcher den Feind nicht vier und zwanzig Stunden vor Woerden ließ, ohne selbigen anzugreiffen, als auch der Tapfferkeitder Truppen, welchen, bey einem so gar langen und sehr harten Gefechte, keineeinzige Hinderniß den Muth benahm.

Der Verlust auf unserer Seite belieff sich ungefähr auf zwey tausendfünff hundert Mann, so wohl todte, als verwundete, von den 5000. mit welchenDie Action angefangen worden.

Die Nothwendigkeit, dieses Treffen sonder Zeit Verlust anzutreten,war um so viel groffer, weil des Feindes Geschütz vor die Thore der Stadt,welche gedachter massen mit keinen Aussenwercken versehen, bereits gepflanzetwar, zu dem auch in dem Ort wenig Kriegs- Nothdurfft vorhanden, und sichkaum noch vier und zwanzig Stunden halten konnte, daferne er nicht wäreentfezet worden.

Das andere Exempel von einem grossen Gefechte, und welches Treffen beyvon einer ganz andern Art ist, als das bey Woerden, davon ich iego ge Seneff 1674.redet habe, ist das bey Seneff, im Jahr 1674. Ich fetze dieses unter die Zahlder Treffen, und rechne es nicht unter die ordentlichen Schlachten, weildie Armeen da niemahls Platz genug gehabt, sich in behörige SchlachtOrdnung zu stellen, die Fronten auch, mit welchen man gefochten, stets sehrklein waren, und eigentlich zu reden die Action bey Seneff bey nahe nur gegen

Die