Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 231
der Marsch der Truppen, so aus Flandern herkamen, nur eine blosse Würsckung der Königlichen Vorsicht gegen ihre Absichten, in Ansehung des besvorstehenden Feldzugs. Und gleichwie sie dafür hielten, daß es allzu spätim Jahre wäre, die Belagerung Brisachs vorzunehmen, als welcher Ort ihnenam nabesten bey der Hand war, und wieder welchen sie am allerleichtesten etwas unternehmen konnten, so breiteten sie sich in dem ganzen platten Lande inElsaß aus, in der festen Meynung, daß Mr. de Turenne, der über das Gebürsge gehen muste, wenn er an sie kommen wolte, in dem harten Winter, sichnicht zu ihnen nahen, und sie in ihren Winter- Quartieren beunruhigenkönnte. Auch nahmen sie diese auf so eine Art, daß sie Brisach und Phislippsburg zugleich bloquiret hielten, in der Absicht, daß sie diese Belagerungen in dem Anfang des Frühlings vor die Hand nehmen wolten, ehe Mr. deTurenne eine Armee beysammen haben könnte, die vermögend wäre, derVollziehung ihrer groffen Anschläge sich zu wiedersetzen: angesehen sie zumwenigsten sechzig tausend Mann hatten, und über dem in den Gedanckenstunden, daß der König auffer dem Stande wäre, dem Marschall de Turenneeine so starcke Armee zu geben, daß er gemeldete Belagerungen aufschlagenkönnte, weil ihm der Prinz von Oranien, in Flandern, allzu viel zu schaffengeben würde. So machten sie sich nicht minder die Rechnung, daß es ihnen,nach Eroberung der Festungen in dem Elsaß, ein leichtes seyn würde, in Lo-thringen und in die Grafschafft Burgund einzudringen, immassen ihnen nichtunbewust, daß sie da von dem Volck verlanget würden, darauf aber es ihnennicht schwer fallen solte, den Krieg an die Mosel und die Maas, ja so gar auchin Burgund zu spielen.
Dieses war also der Feinde Project auf das Jahr 1675. welches iedochMr. de Turenne, fonder Verlust, und mit einer Fähigkeit, welche diesemgroffen Mann anständig war, in wenigen Tagen ganz und gar zu nichtemachte.
Denn als die aus Flandern angelangten Truppen, und die von der Ar-mee in Teutschland, sich von ihren ausgestandenen Beschwerlichkeiten wieder-um erholet hatten, ließ Mr. de Turenne seine gesammte Armee, welche ge-dachter maffen an der Ober- Saar stund, quer durchmarschiren, und giengDamit bis an die Höhe der beyden Paffe Tannes und Bedfort, ohne daß derFeind sich deswegen einigen Kummer machte: angesehen dieser General sorg-fältiglich aussprengen lassen, daß alle diese Truppen blos darum in Beweswären, daß sie ihre Winter- Quartiere in dem Herzogthum und in derGrafschafft Burgund beziehen wolten, nachdem er vernommen, daß die feindsliche Armee die ihrigen in Elsaß genommen hatte.
gung
Diese Bewegungen, so mit einem so scheinbaren Fürwand bedecket wa-
ten,