Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 233
welche vermittelst des glücklichen Erfolgs eines Anschlags erlanget wird, eisnem General schon hinlänglich ist, demselben, über seinen Feind, die ObersMacht zu verschaffen, ob gleich dieser Feind stärcker und zahlreicher an Trup-pen ist.
Bey dieser Gelegenheit würde ein ieder anderer General, als der Mareschall de Turenne, mit den Vortheilen, welche er, unter dem gewöhnlichenLauf des Feldzugs, über seinen Feind erhalten, sich begnüget haben, und mitdem Ruhm zufrieden gewesen seyn, daß er sich, gegen einen Feind, so immerstarcker als er war, bey der Gleichheit, ja gar bey der Ober- Macht, erhalten hätte. Allein für einen so grossen Mann, und der, so wie er, zuvor sahe,daß Elsaß, nachdem er solches zu verlassen gezwungen worden, für den künff-tigen Feldzug verlohren gehen würde, war es noch nicht Ruhms genug.Hätte er die Zeit der natürlichen Eröffnung derer Feldzüge erwarten wollen,so konnte er in diese Provints weiter nicht gelangen, und dem Könige diedarinnen gelegene feste Oerter erhalten, weil er aus den engen Wegen in denGebürgen vor einen Feind nicht leicht mit einer Fronte heraus kommen konsnen, angesehen dieser ohne Zweife! sich würde darwieder gesetzet und ihn vershindert haben, an dem Fuß des Gebürges, sich in behörige Ordnung zu stellen. Solchemnach muste er diesen zu einer sothanen Zeit, welche sonst zu derArmeen Ruhe bestimmet, aus seinen Posten treiben, und ihn nöthigen, dieQuartiere, darinnen er sich in Sicherheit achtete, gänzlich zu verlassen. Diesses hat also der Marschall de Turenne gethan, indem er einen Anschlag indas Werck gerichtet, der eben so klüglich ausgesonnen und bedacht gewesen,als er nachmahls, mit erforderter Gedult, ist vollstrecket worden. Er hat alles wohl überleget, und sich, mit aller möglichen Geschicklichkeit, in denStand gesetet, dasjenige, was er auf eine kluge und tüchtige Art ausgesonnen, bester massen zu vollziehen; dabey aber hat er so lange mit Gedult geswartet, bis der Augenblick herbey gekommen, fein Project zu vollstrecken, undhat endlich dieses mit einer erstaunens würdigen Behendigkeit und grossemNachdruck vollzogen, nachdem er solches langsam ausgedacht, mit Klugheitüberleget, und bis auf den Augenblick, da es vollstrecket werden sollen, mitaller Geschicklich- und Fertigkeit, deren ein hohes Gemüth fähig seyn kan, ingroffer Geheim geführet hat.
Aus dergleichen schönen Muster und groffen Exempeln muß ein Mensch,der zu dem Krieg Luft hat, die herrlichsten Materien zu seinen Betrachtungenzu schöpffen, und darinnen anzutreffen suchen: denn er wird, mit einem Wort,bey dieser einzigen Action des Marschalls de Turenne alles be sammen finden,was ein grosser General am richtigsten gedencken kan, wenn er die gegenwärtige und zukünfftige Beschaffenheit des Krieges, der ihm anvertrauet worden,Zweyter Theil.
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