236 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
Altenheim bemeisterte, oder nur eine einzige von unsern Convoyen zu Grunderichtete, des Königs Armee in grosser Gefahr stünde, jenseit des Rheins umzukommen, so machte diese grosse Beschwerlichkeit die Herren de Lorge undde Vaubrun eine Zeit lang einig, indem es die andern Generals- Personen beyder Armee dahin brachten, daß sie so lange einer um den andern das Com-mando führen wolten, bis sie dieferwegen von dem Hof Befehl erhielten.Darauf aber faffeten sie den Entschluß, daß die Armee, in der grösten Eil,als es nur geschehen könnte, nach Altenheim marschiren solte.
Dieser lange Marsch, welcher in der Nacht, unter solchen Generals,zu welchen die Armee kein Vertrauen hatte, seinen Anfang nahm, ward inder Ordnung, welche in dergleichen Fall erfordert wird, keines weges voll-bracht. Nichts desto weniger benahm ein grosses Ungewitter, so im Anfangdes Marsches einfiel, dem Feind hiervon alle Kanntniß, so gar, daß er nichtehe, als mit anbrechendem Tage, durch seine ausgestellte Vorwachten, dasvon Nachricht erhielt; daher denn der größte Theil der Armee bereits überDen kleinen Fluß, so nach Achern fleußt, gegangen war, ehe der Nachzug,welcher aus Fuß- Volck bestund und die Brücken über gedachten Fluß abbrechen solte, von den Dragonern und Croaten, die Mr. de Montecuculiabgeschicker, den Hintertheil unserer Armee aufzuhalten, eingeholet werdenFonnte.
Immittelst ließ Mr. de Montecuculi seine ganze Arinee marschiren, umdes Konigs seiner auf ihrem Zurückzug nachzufolgen. Gleichwie aber dieserGeneral sehr vorsichtig war, und seine Armee beyfammen behalten wolte,Damit solche in dem Stande ware, des Königs seine anzugreiffen, wenn er diesfelbe, entweder bey dem Übergange über die Kinzig, oder wenn sie bey Alten-heim über den Rhein gieng, einholen könnte; zu dem auch nicht haben wolte,daß wir wissen solten, daß er so nahe hinter uns her käme, so marschierte erstets auffer unserm Gesicht, damit wir, bey dem Ubergange der Flüsse, destoweniger auf unserer Hut stehen solten, auch fehlte gar nicht viel, daß er solches sehr wohl ausgesonnen hatte wie ich hiernächst anzuführen Gelegenheitfinden werde. Denn in der That hatte unsere Armee, bey ihrer MarschOrdnung, weit mehr das Ansehen, als wenn sie flöhe, als daß sie sich einesehrlichen und vorsichtigen Abzugs zu befleißigen suchte. Nachdem also dieSpise der Königlichen Armee, bey der Altenheimer Brücke, anlangte, nachDem ließ Mr. de Vaubrun, der selche an eben dem Tage commandirte, diesfelbige über gedachte Brücke gehen, ohne daß er vorhero die nöthige Vorsichtgebraucher und eine Parthey zu Pferd, hinter dem Nach- Trab zu Fuß, einStück Weges zurück gelaffen hatte, damit er dadurch die erforderte Nachrichterlangen können, wie weit etwa die Armee von dem Feind entfernet seynFönnte.
Hierbey