238 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
Rheins, nicht eingenommen hatte. Dieses gab der Neuterey von dem feindlichen rechten Flügel Mittel an die Hand, hinter unsere erste Linie, welche diegange Gewalt der feindlichen Armee, die sie vor sich hatte, aushielt, mit acht-zehen hundert Pferden zu dringen. Ja es stund diese feindliche Reuterey sogar geraume Zeit hinter dem Fuß- Volck von der ersten Linie, daß solches ge-nöthiget ward, die beyden letzten Reihen der Bataillons sich umkehren und aufgedachte Reuterey Feuer geben zu lassen. Mittlerzeit vertheidigten die viervordersten Reihen das Ufer von dem Bach gegen die feindliche Armee, welchefünffmahl, auf zwey Linien, bis auf einen Piken- Stoß anrückte, ohne daß sieermeldetes Fuß- Volck um einen Fuß breit Plazes zu bringen vermögend war.Endlich aber gieng die Reuterey von unserm rechten Flügel, welchem der lin-cke feindliche nichts zu thun machte, von seiner Stelle weg, und griff diese Reusterey, so zwischen unserer ersten Linie und der Brücke in Schlacht Ordnungstund, dergestalt an, daß sie dieselbe gang ruinirte, weil sie sich nicht anders,als über den Damm, daher sie gekommen, zurück ziehen konnte, dieser abervon einem von unsern Bataillons zu gutem Glück besetzet war. Indessen sichet man aus dem, was ich ieho angeführet habe, daß mehr- gedachte Reutereydie Truppen von der andern Linie, so man wieder über den Rhein gehenließ, eine gar geraume Zeit abhielt, sich hinter der ersten in Ordnung zu stellen.
Dieser Zustand daurete viele Stunden und bis offt- gemeldete feindlicheNeuterey über den Hauffen geworffen ward, so doch erst auf den Abend umsechs Uhr erfolgte. Die Angriffe des Feindes von fornen, mit Gewalt überden Bach zu sehen, währeten hingegen bis in die Nacht, auf der Fronte derSchlacht- Ordnung, wiewohl sonder einigen Erfolg. Nach diesem begabensich die Feinde einen Musqueten- Schuß weit von uns zurück, und man saheDarauf, daß sie sich verschanzten, und auf unserer Seite that man eben dergleichen. Im übrigen hatte Mr. de Vaubrun, bey den ersten Angriffen, soauf dem lincken Flügel an dem Ufer des Schutter- Flusses geschahen, das Le-ben eingebüsset, welches für die Armee ein grosses Glück war, weil sie dadurch alles Streits und Wiederspruchs, in Ansehung des Commando, losward, und nunmehro wieder unter einem einzigen General stund.
Diese Schlacht giebet mir viele schöne Anmerckungen, über die Materiedieses Capitels, an die Hand, darunter die erste, wegen der Uneinigkeit zwisschen den Ober Häuptern ist, und deutlich erweisen wird, wie nöthig es sey,daß niemahls mehr als einer das Ober- Commando führen, und wenn dieserungefähr abgehen solte, der älteste so denn ihm darinnen folgen müsse. Denndie Zwistigkeit unter den Herren de Lorge und de Vaubrun, wegen des ObersCommando, oder weil dieses zertheilet, war einig und allein Ursache, daß desKönigs Armee, bey Sasbach, drey ganzer Tage vor dem Feind stund, ohne
daß