Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 245
den Stand gesetzet hätte das äusserste dran zu wenden, über den Bach zu gehen, keines weges aber sich zu begnügen, solchen nur besetzt zu halten; oderfolte doch wenigstens verwehret haben, daß des Königs Armee nicht darübergegangen ware.
Die gesunde Vernunfft erforderte, daß er auf diese Art hätte ver-fahren sollen; gleichwohl fasfete er einen ganz andern Entschluß, und eben derwar Ursache, daß er geschlagen ward. Seine erste Linie stund auf der habben Höhe des aufwärts lauffenden Plates, so daß er das Ufer des Bachsnur mit Truppen von seiner ersten Linie beschirmete, die aber, so bald, an demUfer dieses Bachs, in sie gedrungen ward, sich nicht mehr in dem Stand befanden, die leeren Plätze der ersten Linie wiederum einzunehmen: angesehendiese von der ganzen Fronte der Armee, die sich auf der andern Seite desBachs formiret hatte, angegriffen ward, so bald sie nur ermeldetes abgesonDerre Fuß- Volck davon entfernet hatte, auch ward dieselbe von der andernLinie, die an den Bach gerücket, kräfftiglich unterstützet. Nachdem also diecrfte Linie des Feindes Play verlohren, so gab solches unserer andern Li-nie Mittel an die Hand über den Bach zu sehen. Darauf marschirten unserebeyde übergegangene Linien auf der Feinde andere Linie an, und ob wohl diesedie Oberhand des Plates für sich zu erhalten suchte, so war es doch vergesbens, weil sie von der ersten allzu weit entfernet war, und solcher nicht ein-mahl hinlänglichen Platz gelassen, sich hinter ihr wiederum in Ordnung zu stellen, mittlerzeit da sie die Angriffe unserer beyden Linien auszuhalten hatte.Da nun also die Truppen von der ersten Linie keinen bequemen Platz, sich inSchlacht- Ordnung zu stellen, hinter der andern Linie fanden, so fuhren sie inihrer Flucht fort. Wodurch denn der Angriff, welchen die andere Linie zuthun fich fertig machte, zu einem eiteln Versuch ward, und die Unordnungund Flucht unter die ganze Armee brachte.
Vor der Schlacht ward Mr. de Luxembourg innen, daß der Prinzvon Oranien vorgedachte Einrichtung zu keinem andern Ende beliebet hatte,als daß er eine Bewegung, die er feinen rechten Flügel, zu Erlangung desFort Walte über St. Omer, machen lassen wolte, dem Gesicht zu verbergengemeynet wäre, auch würde ihm dieses den Entsatz des Ortes sicherlich zu wegegebracht haben; allein eben dieses Vorhaben, welches Mr. de Luxembourgeinfahe, nöthigte diesen das Treffen, auf unserm lineken Flügel, und in demCentro, mit aller Bebendigkeit anzufangen, weil der Prinz von Oranienausser dem die Stadt St. Omer ohne Schwerdt Schlag würde entfehet hasben. Diese Schlacht ist von der ersten Gattung der groffen Actionen, weildie beyden Armeen in Schlacht- Ordnung stunden, und bey nahe auf allenihren Fronten mit einander traffen.
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