234 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
dern Morgen aufbrechen und seinen Marsch rückwärts antreten wolte, so dach-te er, daß, wenn der Prinz von Oranien verabsäumete, Fuß- Volck an denBach Catoire zu stellen, er wieder dessen Nachzug etwas unternehmen könnte.Solchemnach gieng dieser General, in der Nacht, mit einem Corps Reuterey,von Tournai ab und langte frühe bey guter Zeit zu Leufe an, ohne daß seinFeind davon einige Kanntniß hatte, weil die Generals Person, welche denNachzug von des Prinzen von Oranien Armee commandirte, keine Partheyüber Leufe ausgeschicket, um Nachricht einzuziehen, ob etwa Truppen aufihn zu kämen. Daber gieng Mr. de Luxembourg, der sein Vorhaben stetsbelende vollzog, in der grösten Eil.hindurch, und da er also diese Reuterey vondem feindlichen Nachzug, die aus Nachläßigkeit nicht einmahl in SchlachtOrdnung gestellet, sondern gegen die Brücken, wo sie über den Bach rückenfolte, gleichsam wie eine Colonne ausgedehnet war, unversehens antraff, soließ er dieselbe so ungestümer weise angreiffen, daß sie nicht Zeit hatte, sichauf eine Linie zu stellen. Er schlug sie also vollig, und trieb sie bis an denBach, woselbst deren Unordnung sehr groß war, indem erwähnter maffenFein Fuß- Volck an selbigen Bach gestellet war, diese Reuterey der Gebühr nachaufzunehmen,
Hiermit aber nahm das Gefecht ein Ende, weil die Colonnen des Fuß-Bolcks, so annoch unweit dem Bach waren, eilig wieder dahin kamen, wieswohl solche keine andere Würckungen hervorbringen mochten, als daß sie zuschauerinnen der Unordnung ihres Nachzugs abgaben, wie nicht weniger wievergnügt Mr. de Luxembourg feyn můste, daß er einen vermessenen Generalalleweile gezüchtiget hätte, weil er vermeynet, er könnte vor ihm aufbrechen,ohne daß er die nöthigen Vorsichten gebrauchte, die man sonst zur SicherheitDes Nachzugs einer Armee zu gebrauchen pfleget, indem man solchen, wegeneines Übergangs, von was Beschaffenheit dieser auch sey, auf eine Zeit lang abgesondert lassen muß.
Dieses Erempel machet meine Grund Regeln von der Art, wie manrückwärts marschiren soll, wenn man seinen Feind bey der Hand hat, völligwahr, damit man in einer behörigen Weite von ihm bleibe: angesehen dieserFeind von der Bewegung die man zu thun entschlossen, zeitlich genug Kundschafft erhalten haben kan, sich in den Stand zu setzen, dieselbe zu seinem Vortheilzu kehren, wie es hier mit dem Gefecht bey Leufe ergangen ist.
Neben dem machet diese Action begreifflich, daß, wenn ein General schonin den Gedancken stehet, seine Armee konne von der feindlichen nicht erreichetwerden, er doch niemahls sich fahrläßig erweisen, sondern stets die behörigeSorgfalt anwenden, und auf die Sicherheit seiner Bewegungen bedacht seynsoll. Daher muß er dergleichen, in dem Kriege, niemahls anders, als auf
eben