258 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
naue Treue seines Spions bekräfftigte, und ihm also zu keiner MißtrauenAnlaß geben konnte. Auch schiene dieses desto vernünfftiger, weil der Partheygånger, so nur sehen konnte, was forne bei den engen Orten vorgieng, keisnes weges aber wissen mochte, was sich hinten zutrug, nur in dem Stande war,den Marschall zu benachrichtigen, was er bereits, feiner Meynung nach, vonfeinem Spion vernommen hatte. Solchemnach wäre des Königs Armee,mit allen ihren unwegsamen Orten, die sehr lang und schwer zu pafliren waren,auch einen sehr wachsamen General zu ihrem Anführer hatte, um ein Haarüberfallen und geschlagen worden, woferne der Prinz von Oranien mit derVollziehung seines Vorhabens so behende verfahren hatte, als dasselbe vonihm klüglich ausgedacht worden. Dieser Print solte, wie er aus den engenDertern heraus kam, sich gar nicht formiren und in Schlacht- Ordnung stellen.Denn da er auf vielen Zügen marschirte, und aus vielen engen Orten hersvorbrach, so solten alle diese Colonnen die Fronte des Lagers, so ihnen gegenüber war, angreiffen, damit sie allenthalben Schwurigkeit erwecket hätten,zu dem Gewehr zu greiffen und eine Fronte zu formiren. Es war ihm genug,wenn seine Colonnen in das Lager gedrungen waren, und allenthalben Unord-nung angerichtet hatten, massen er es dadurch würde dahin gebracht haben,daß die Anfälle, die er, durch die Truppen von seiner ersten Linie, in Zügen,thun ließ, in einem Augenblick glücklich gewesen wären. Und so hätte er sich,wegen des Lagers Angriffs, mit den Truppen von seiner ersten Linie verhaltensollen; die aber von der andern hätten sich in Schlacht- Ordnung stellen sollen,um so wohl die erste, so Colonnen weise angriff, nachdrücklich zu bedecken,als auch unserer Armee diese zum Treffen bereitete Fronte zu zeigen, und ihrDurch diese Bezeigung die Gedancken zu benehmen, daß sie sich hinter dem La-ger formiren wolte, nachdem sie dieses verlassen, weil es nicht möglich gewesen, dessen Vordertheil zu erhalten.
Der Angriff einer ganzen Armee, die in ihrem Lager überfallen wird,muß mit starcken Colonnen geschehen, damit diese das Lager öffnen, hinein.dringen und es trennen, und das ist schon genug zu dessen Zerstöhrung. EineWahlstatt befindet sich gemeiniglich fornen bey einem Lager und bey nahe nie-mahls hinter demselben. Daher muß man einer Armee, die man in ihremLager überfallen will, nicht Zeit lassen, sich an der Spize ihres Lagers inSchlacht- Ordnung zu stellen, sondern man muß mit so grossem Nachdruckauf sie los gehen, daß man ihr alle Möglichkeit benimmt, sich fornen zu formiren: immassen dieses allein dieselbige Armee zu einer schändlichen Fluchtüber Hals und Kopff zwinget, und sie nöthiget, ihre Artillerie und sämmtlicheBagage im Stich zu lassen. Das ist also der Haupt- Fehler, welchen derPrinz von Oranien, bey der Vollziehung eines Vorhabens, welches ausser
Dem