Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 263.
bedeckte; darauf aber solte dieselbe die Reuterey von gedachtem Flügel angreiffen, falls sie sich inwendig hinter dem Zaun in Ordnung stellen könnte,und sähe, daß der Angriff des Dorffs Nerwinden einen glücklichen Ausganggewanne: angesehen es unserer Reuterey würde unmöglich gewesen seyn, diefen Platz inwendig hinter dem Zaun einzunehmen, so lange der Feind gemeldetes Dorff in feinen Händen gehabt hätte.
Das war also die allgemeine Einrichtung der beyden Armeen, in demAugenblick, der vor der Schlacht hergieng. Diese giebet nun zu erkennen,daß die Feinde, welche hinter den Verschanzungen in Schlacht- Ordnung stunden, uns dahin brachten, daß wir vor allen Dingen zweyerley Angriffe thunmusten, ehe wir an die verschanzte Fronte gedencken durfften: massen man anDiese nicht gelangen konnte, ohne das Feuer aus gedachten beyden Dörffern inder Seite zu empfinden. Ehe man demnach den Feind, auf seiner ganzenFronte, anzugreiffen in dem Stande war, muste er zuförderst gezwungen werden, gedachte zwey Dorffer zu verlassen, mithin aber muste des Königs Armeedas Feuer der feindlichen Canonen und das Feuer der verschanzten Frontezum wenigsten noch so lange aushalten, bis das Dorff Nerwinden erobert worsden, und die Fronten der Armee an die Fronte des verschanzten Lagers rückenund solches angreiffen könnten.
Das Treffen gieng also frühe um sechs Uhr an, indem man angeregtesDorff Nerwinden angriff, und solches in kurzer Zeit hinweg nahm; gleichwie aber die Ordre, so Mr. de Luxembourg gegeben hatte, nehmlich daß indem Augenblick, da man den Angriff des Dorffs Nerwinden einen glück-lichen Ausgang erreichen sähe, sein rechter Flügel das Centrum und den lincken des Feindes anfallen solte, von dem General, welcher den rechten FlügelDer Königlichen Armee commandirte, nicht vollzogen ward, die Truppen auchin Nerwinden ein wenig allzu sehri in Unordnung gedrungen waren, und überdies die Vorsicht nicht gebrauchet hatten, sich auf die ganze Quer- Seite desDorffs nach dem Feind hin zu stellen, so wurden sie von dem feindlichen Fuß-Volck von dem lincken Flügel wiederum heraus gejaget, massen dieses vonder Fronte der Verschanzung weggieng, gedachten Angriff in das Werck zurichten.
Diese Bewegung sahe nun zwar unser gesammter rechter Flügel, esward auch dem General, der solchen commandirte, vorgeschlagen, daß er sichDieselbe zu Nutz machen, und diese Fronte, so von dem Fuß- Volck, das zu derWieder- Eroberung des Dorffs Nerwinden abgegangen, zum theil entblöfsetwar, auf der Stelle angreiffen lassen solte; allein dieser Vorschlag geschahevergebens, unerachtet diese Bewegung und solcher Angriff, allem Vermuthen nach, dem Gewinn der Schlacht noch selbigen Augenblick den AusschlagNachdemgegeben hätte.