Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 265-
den Ort der feindlichen Fronte führte, wo solche nur mit in die quer gesetztenArtillerie Wagen zugemacht war. Doch als die feindliche Infanterie vondem lincken Flügel, so auf dem Marsch war, Nerwinden zu vertheidigen, dengangen rechten Flügel der Königlichen Armee, gegen die Fronte der Verschanzung, in Bewegung sahe, und urtheilte, daß das daselbst zurück gebliebene Fuß- Volck nicht vermögend wäre, den Ansatz der Königlichen Infanterieauszuhalten, so wolte sie wiederum zurück auf ihren Posten kommen; alleinsie hatte keine Zeit darzu, weil sie von dem Fuß- Volck, das der Marquis deCrequi gegen felbige angeführet, so fort angegriffen ward. Daher stellete sichdieses feindliche Fuß- Volck, so neun Bataillons starck, auf ein viereckiges Ba-taillon, um der Reuterey, damit ich in selbige Verschanzung eingedrungen,Wiederstand zu thun. Jedoch war die Vernichtung dieser neun Bataillonsin selbigem Augenblick gar nicht meine vornehmste Sache: der Ort, wo ichin das Retranchement gedrungen, war der höchste in dem feindlichen Lager,von dar aus sabe ich, daß der Prinz von Oranien seinen ganzen rechten Flügel marschiren ließ, das Dorff Nerwinden wiederum anzugreiffen, weil er nochnicht wuste, daß sein ganzer lincker Flügel zertrennet wäre. Ich stellete daherdie Reuterey in Schlacht- Ordnung, und zwar gegen des Prinzen von Orasnien feine Flanque, um denselben anzugreiffen, falls er auf Nerwinden zusrückte. Immittelst ließ der Marschall de Luxembourg, dem ich zu wissenthun lassen, daß der ganze rechte Flügel die lincke Seite des feindlichen Lasgers völlig innen hätte, seinen gangen lincken Flügel zu gleicher Zeit einen geswaltigen Anfall thun und formirte sich zwischen Nerwinden und der feindlichen Fronte; dieweil aber der Feind, durch eine Krümme der Getthe, allzusehr in die Enge getrieben, so reichte unser lincker Flügel leichtlich über denfelben weg, und ward daher von diesem niedergebauen, oder muste in derGetthe ertrincken, womit also der gesammte rechte Flügel des Feindes unddessen Centrum völlig geschlagen ward.
Die feindliche Reuterey von dem lincken Flügel, welche auf der Fronteder Linie keinen Platz gehabt, war gedachter massen Krücken- weise gestelletworden, so daß sie nach dem Bach bey Landen gekehret war. Doch so baldfelbige sahe, daß sich der rechte Flügel der Königlichen Armee der Verschanzung bemeistert hatte, so war sie nur dahin bedacht, wie sie sich an den O- Flußzurück ziehen wolte, that auch solches ziemlich ruhig, weil sie von dem Ort,wo es alleweile am hißigsten hergegangen, weit genug entfernet war. Siekonnte es in der That nicht beffer machen, weil sie nicht Plat genug vor sichhatte, eine solche Bewegung zu thun, wodurch sie wäre in den Stand gesetzetworden, die Truppen von unserm rechten Flügel, so in die Verschanzung gedrungen, von fornen und neben einander anzugreiffen.£ 1
Zweyter Theil.
Ein