304 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
quem war, daß er, ob schon sein Marsch ganz nahe an dem Strom weggieng,seine Bewegungen dem Herzog von Vendôme verbergen konnte, so breitetesich dieser ein wenig allzu sehr aus, damit er, längst dem Fluß, eine desto größsere Strecke Landes innen haben möchte, machte sich also die Rechnung, daßer zeitlich genug sich zusammen ziehen und in dem Stande seyn wolte, sich demFeind, mit einem Corps, das stärcker, als das herüber gekommene, wäre, zuwiedersetzen, er möchte gleich überzugehen trachten an welchem Ort er wolte.
Diese Gedancken waren klug gewesen, wenn sich das gesammte Ufer desFlusses auf dieser Seite so frey befunden, daß man hätte zusammen gelangenkönnen, ohne daß man einzeln über die Brücken gehen dürffen; allein das warnicht. Die Adda giebet, wie alle andere Flüsse in selbigem Lande, Wasser zu derBefeuchtung der Felder her, es ist ein Canal da, welcher bey Paradifo feinen An-fang nimmet, und etwas über der Brücke bey Caffano wiederum in die Addagehet, ein wenig unter selbiger Brücke aber kommet aus der Adda ein ande-ver Canal heraus, welcher um Odi herum gehet, und zwischen Odi und Fiz-zighitone wiederum in diesen Fluß fållt.
Aus dieser richtigen und umständlichen Erzehlung siehet man, daß Mr.de Vendôme, der sich nahe an der Adda halten wolte, auf seinem Marsch sichausgebreitet hatte, und in drey Corps getheilet war. Sein Nachzug war inDer inwendigen Gegend des Canals, welcher von Paradifo an die Brücke vonCaffano gehet, da indessen sein Centrum dieser Brücke gegen über stund, undsein Vortrab war über zwey Meilen von ihm, in der inwendigen Gegend desCanals, der um Odi herum gehet.
Diese bequeme Zeit erwehlete nun der Pring Eugenius, etwas gegen dasCentrum der Armee vorzunehmen. Dieser Print, dessen Bewegungen angeführter massen nicht konnten gesehen werden, stund mit seiner gesammten Ar-mee ganz nahe bei Caffano, und ließ die Brücke, bey welcher unsere Batail-lons nach einander wegzogen, unversehens angreiffen, daher gedachte Batail-lons, so in der Seite angefallen wurden, anfänglich in grosse Unordnung gesriethen, auch brachte es die Fronte des feindlichen Fuß- Volcks, so zugleich andem Ufer des Flusses zum Vorschein kam, gar bald dahin, daß unfere Colonnezu Fuß, welche marschirte, und sich des Fechtens nicht verfabe, etwas Platz einabussete, so, daß solche nicht eher, als an dem Ufer des Canals, aufgehalten werden konnte; allein da gieng sie auf die feindlichen Bataillons, die durch denFluß dergestalt gesezet, daß ihnen das Wasser bis an die Mitte des Leibes ge-gangen, mit greffer Tapferkeit los, drang in solche Bataillons hinein, und tödtetealles, was herüber war, oder jagte es doch in das Wasser, daß es darinnen er-trincken muste.
Der Feind, welcher über die Brücke gegangen, wolte sich ausbreiten;allein