Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI. 307
und dem Canal, zu kommen, so hätte man vor allen Dingen, von der Brückebcy Caffano, gewiß Herre seyn, und sich deren versichern sollen, ehe man dieArmee vor gemeldter Brücke wegziehen ließ, zumahl da man nicht wuste, wasder Feind machte, und wie weit er von der Brücke über den Fluß seyn konnte,weil ihm die Beschaffenheit des Landes geneigt war, seinen Marsch und seineBewegungen zu verbergen.
Die Schlacht bey Ramilli, welche von dem Marschall de Villeroi ver- Schlacht beylohren worden, ist, wegen allgemeiner Einrichtung beyder Armeen, von der Ramilli 1706ersten Art grosser Actionen, weil es gewiß ist, daß beyde Armeen, vor einander, in Schlacht- Ordnung gestanden haben. Vermöge der besondern Einrichstung aber ist es nur ein besonderes Treffen gewesen, so da wieder unsern rechten Flügel zu Pferd, und den rechten des Fuß- Volcks gehalten worden.
Diese Schlacht ist für die beyden Cronen so betrübt abgelauffen, undes sind darauf so ungewöhnliche Dinge erfolget, daß es mir nöthig scheinet,zuvor Bericht zu erstatten, wie die allgemeinen Sachen des Krieges damahlsbeschaffen waren, ehe ich dasjenige vorbringe, was ich von dieser Schlachtanzuführen gemeynet bin, damit man solches wohl begreiffe, und ich zeige,daß von den Ursachen, deswegen ein General, wie ich in meinen Regelngedacht, Verlangen tragen kan, mit seinem Feind zu treffen, damahls keineeinzige vorhanden war, sich in eine Haupt Action einzulassen. Nach diesemwill ich auch vorstellen, was für Fehler, so wohl in der allgemeinen, als bessondern Einrichtung, begangen worden, und wie diejenigen, so auf dieseSchlacht gefolget, und unser Unglück auf das höchste getrieben haben, besschaffen gewesen sind.
Ich habe in meinen Grund- Regeln von den Schlachten angemercket,daß ein General keine halten oder liefern soll, als wenn, für seinen Fürsten,aus einem glücklichen Erfolg mehr Vortheil zu erlangen, als Nachtheil zu besfürchten stünde, wenn es übel damit ablieffe. Diese erste Grund- Regel welcher unstreitig sichere Folge zu leisten, ist bey dieser Gelegenheit von dem Marsschall de Villeroi nicht in die mindeste Betrachtung gezogen worden.
Ob gleich die Schlacht bey Hochstätt für uns einen unglücklichen Aussgang gehabt, so war doch der Krieg wiederum an den Rhein gekommen, undward da mit Gleichheit fortgesetzet. In Italien führte man solchen mit Vortheil, gestalt da Mr. de Vendôme dem Prinzen Eugenio entgegen stund, unddem Herrn de la Feüillade Zeit gab, die Belagerung vor Turin vor die Handzu nehmen. Mr. de Berwick aber führte in Spanien einen sehr schwerenKrieg, nachdem die Belagerung vor Barcellona, auf eine Art, deren manfich billig zu schämen hat, von dem Marschall de Teffé aufgehoben worden.Solchemnach war in Flandern, für die beyden Cronen, nichts zuträglichers,
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