308 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
als daß sie denselbigen Feldzug allda einen Defenfiv- Krieg führeten, bevorabda man sich so gar schon darauf gefaßt gemacht, indem man die neuen Linienlängst der Dile angeleget hatte.
Nach der allgemeinen Beschaffenheit der Sachen ist es also ein grosfer.Fehler gewesen, daß man, aus Vermessenheit, und ohne den allgemeinenPlan des Krieges in Betrachtung zu ziehen, den Feldzug durch eine Haupt-Action eröffnen wollen, da doch auch so gar deren Gewinn, in solchem An-fang, nicht viel sonderliches nach sich gezogen haben würde.
Dem ungeachtet wolte der Marschall de Villeroi, ohne einigen Grund,den Feldzug, ausser seinen Linien, eröffnen. Zu dem Ende marschirte er nachTillemont, und diese vorwärts erfolgte Bewegung solte er sich genug seynlaffen, ja er konnte auch wohl eine Ursach haben, warum er solche gemachthätte. Zu dem soll eine Armee, welcher nur ein Defenfiv- Krieg in ihren Lisnien anbefohlen worden, cher als seines Feindes seine beysammen seyn, damitsie zum wenigsten einige Tage für sich habe, die Fütterung, welche hanssennahe bey der Linie ist, aufzuzehren. Durch diese vorsichtige Aufführung findetder Feind grössere Schwürigkeit, sich der Linie zu nähern, und sein Aufent-halt um die Linie herum schadet seiner Reuterey und seinen Equipsgen destomehr.
Hatte der Marschall de Villeroi sich es genug seyn laffen, nach Tille-mont zu rücken, und die Fütterungen zwischen seinem Lager und der Dile durchfeine Armee aufgezehret, so hätte er, ohne sich in Gefahr zu begeben, dieWürckung sich verschaffet, daß er die Niederlande und seine Linien erhaltenHätte. Allein dieser General ließ es bey diesem Marsch, der auf etwas kluges angesehen seyn mochte, gar nicht bewenden, erwartete auch nicht einsmahl den Churfürsten von Bayern, dem er wenigstens so viel Ehrerbietungschuldig war, daß er demselben sein Vorhaben communiciren und mit ihmAbrede nehmen sollen, sondern er brach von Tillemont auf, und rückete weitervor sich gegen Ramilli, ohne daß ihm die Bewegungen der Feinde, die sichum Tongern herum zusammen gezogen, im mindesten bekannt waren.
Nachdem nun der Vordertheil des Marsches dem Ursprung der kleinenGetthe und Ramilli anfieng gleich zu kommen, so vernahm der Marschall deVilleroi, daß der Feind auf ihn anzöge, und dessen Spiße bereits zum Vorschein kame. Daher war er so fort bedacht, sich in Schlacht- Ordnung zu stelten, und machte sich vermuthlich die Rechnung, daß der Feind eine so erschreckliche Armee, wie seine wäre, nicht angreiffen dürffte. Wäre aber nurseine Einrichtung noch gut gewesen, so hatte das Treffen, durch der TruppenTapfferkeit, einen glücklichen Ausgang gewinnen können; allein dieselbe warso schlecht, und gegen diejenige, welche er den Feind machen sahe, so wenig
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