310 Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXI.
ein Regiment Dragoner dahin zu schicken, welches aber von dem Fuß- Volck,so der Feind dahin gehen ließ, sehr übel tractiret ward. Nun schickte manzwar nachhero eine Brigade von vier Bataillons dahin; allein auch diese wardvon dem stärckern Feuer des feindlichen Fuß- Volcks, welches das Dorff schoninnen hatte, gänglich ruiniret.
Dieser übeln Einrichtung der Fronte will ich annoch eine Nachläßigskeit beyfügen, die zum Theil ebenfalls Ursach an dem Verlust der Schlacht
war.
Ich habe oben erwähnet, daß der Marschall de Villeroi frühe Morsgens, im Anfang des Marsches, vernommen hatte, daß der Feind auf ihn zu-rückte. Ob ihm nun wohl Zeit genug übrig war, sich von seinen Equipageszu entledigen und solche zurück zu schicken, so dachte er doch daran im ge-ringsten nicht, sondern sie waren bey nahe allesamint zwischen seinen beydenLinien, also, daß selbige deren Bewegungen hinderten, vornehmlich aber aufdem rechten Flügel, wo das Treffen vorgieng.
Das sind demnach die vornehmsten Fehler, so in der Einrichtung began-gen worden.Sie sind aber so gar wichtig und wesentlich, daß ein einzi-ger von solchen Fehlern vermögend gewesen, dem Feind einen so grossen Vor-theil zu bringen, daß er den Gewinn der Schlacht dadurch hätte erlangenkönnen.
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Immittelst brachte der Feind, so unsere schlechte Einrichtung vor Augensahe, über fünff Stunden mit Veränderung seiner Schlacht- Ordnung zu,Damit er eine neue, die ihm am vortheilhafftesten wäre, für sich zu wege bringen möchte. Unser Seits hingegen blieben die Truppen diese ganze Zeit überin dem Gewehr stehen, machten aber nicht die mindeste Bewegung auch mochte man dem Marschall de Villeroi vorstellen, was man wolte oder konnte, daßer seine Schlacht- Ordnung verändern möchte, nachdem man såhe, wie derFeind seine zum Fechten eingerichtet hatte, so war es doch ganz unmöglich,ihn iemahls dahin zu bringen, daß er seine Stellung verändert hatte.
Des Königs gesammte Armee sahe, daß der Feind von seinem rechtenFlügel Truppen wegnahm, weil ihm solche daselbst nichts nüße waren, gegenunsern lincken zu treffen, indem selbiger durch die kleine Getthe bedecket ward.Der General Lieutenant, so auf dem lincken Flügel commandirte, gab demMarschall de Villeroi vielmahls Nachricht, was er den Feind vor seinen Ausgen vornehmen sähe, und schlug ihm zugleich vor, daß er auf dem lincken Flüsgel nicht mehr Neuterey, als der Feind auf seinem rechten behielt, lassen, mitDer übrigen aber hinkommen, und solche hinter dem lincken doppelt stellen wolste. Qillein Mr. de Gaflion schlug diese heilsame und kluge Bewegung allezeitpergebens vor. Und ob man wohl sahe, daß der Feind nicht minder einen
Theil