Historische und Militarische Nachrichten. Cap. XXXIII. 333
fer, ein wenig unter Turin, in den Po fällt. Dieser Fluß führet, durch zweyAbleitungen, einen Theil seines Waffers in die Stadt, so wohl deren Be-quemlichkeit und Reinlichkeit halber, als auch viele Mühlen, so zu ihrem Unterhalt beytragen, in den Gang zu bringen. Die Citadelle, so ein ziemlichregulirtes Fünff- Eck ist, hat man zwischen den Wegen nach Sufe und Pigne-rol angeleget. Deren Feftungs- Wercke sind sehr bestreichend, und der Herszog von Savoyen hat, seit einigen Jahren, Aussenwercke daran machen lasfen, welche gut und sehr bedächtlich nach dem Durchschnitt des alten Festungs-Baues angeleget sind. Es giebet da keine Vorstadt, als die, welche du Balonheisset, und gerade an die Doria stoffet, und an dem Wege nach Chivas undDer Vénerie lieget. Diese Vorstadt ist mit drey Horn- Wercken versehenworden, die man jedoch zur Zeit der Belagerung noch nicht mit Mauer- Werckeingefaffet hatte. Das auf der rechten Seite des Orts ist dem Po am nåhesten, und bedecket den Weg nach dem alten Thier- Garten; das in der Mitteist das gröfte und bedecket die Vorstadt, und hat einen Graben vor der Abdachung des bedeckten Wegs gegen dem Felde, darinnen Wasser aus derDoria ist; das auf der lincken Hand aber bedecket die Brücke über die Doriaund die Wege nach der Vénerie und Chivas. Auf der andern Seite des Poerhebet fich zu Montcallier eine Reihe Berge, die längst dem Po bis nachCafal fortgehet. Dieses Gebürge Turin gegen über hat viele von einanderabgesonderte Hügel auf sich liegen; der Herzog von Savoyen hatte derselbenviele mit einer sehr grossen Verschanzung einfaffen lassen, darinnen ein Corpszu Fuß, das sechsmahl groffer, als das feinige, war, stehen konnte, hatte auchin derselbigen Verschansung, ja so gar bis auf die erhabenste Höhe, an demWege nach Quiers, verschiedene Schanzen und Reduten aufwerffen lassen.
Auf diese Maaffe stellete sich nun Turin dem Herzog de la Feüillade vor,und nach dieser aufserlichen Gestalt hätte unser General seine Einschliessungeinrichten sollen. Doch muß ich diesem hier annoch beyfügen, daß der Herzog von Savoyen, mit allem, was er von Fuß- Volck übrig hatte, wie nichtweniger mit der Infanterie, so der Kayfer einrücken lassen, und bey nahe dergesammten Reuterey, in der Festung war.
Gleichwie ich aber diese lange und umständliche Beschreibung zu keinemandern Ende gemacht habe, als daß ich die Fehler des Herzogs de la Feüil-lade, so er, wieder die wahren Regein einen Ort gebührend einzuschliessen, besgangen, desto begreifflicher vorstellen möchte, so will ich anders nichts sagen,als was diese Materie angehet.
Der Herzog de la Feüillade folte demnach, bey seiner Ankunfft vorTurin, es als einen Haupt- Vortheil ansehen, den Ort auf so eine Art einzuschliessen, daß der Herzog von Savoyen, welcher sich mit seinem ganzen Hof
Et 3
und