Buch 
Johann Heinrich Gottlobs von Justi ... Anweisung zu einer guten deutschen Schreibart und allen in den Geschäfften und Rechtssachen vorfallenden schriftlichen Ausarbeitungen ...
Entstehung
JPEG-Download
 

von denen Gedanken.

77

§. 2 .

Die wesentlichste Eigenschaft aller Gedanken, die zu einerguten Schreibart erfordert werden, ist, daß sie wahr und rich-tig seyn müssen. Ohne diese Wahrheit und Richtigkeit der Ge-danken ist es schlechterdings unmöglich, daß etwas gutes undschönes in der Schreibart geleistet werden kann. Denn wennwir andern unsre Gedanken mittheilen; so geschieht es zu demEndzweck, um ihre Gemüther zu überzeugen, oder zum Vor-theil der Wahrheit zu gewinnen. Wie schlecht aber werdenwir sie überzeugen, wenn sie wahrnehmen, daß unsre Gedan-ken keine Wahrheiten in sich enthalten. Diese Wahrheit, wel-che demnach bey denen Gedanken unumgänglich erfordertwird, kann auf zweyrrley Art betrachtet werden. Es Müssenyämlich die Gedanken i) so wohl nach denen Grundsätzen dergesunden Vernunft, als ?) nach der Wirklichkeit derGeschich-te bey der zu erzehlenden oder vorzutragenden Sache wahrund richtig seyn, oder sie müssen lygikaliscl) richtig und demGrunde der Sache nach wahr seyn. Das eine kann man dieWahrheit der Gedanken, das andre aber die Wahrheit derSache nennen. Die Wahrheit der Gedanken nach der ge-sunden Vernunft hat sowohl bey denen einzelnen Gedankenals bey denen anzuführenden Gründen und Ursachen, z. E.bcydenen Beweis-und Bewegungsgründen, wie nicht wenigerbey der Widerlegung der Einwürfe stakt. Bey allen diesenmuß die gesunde Vernunft eine strenge Prüfung anstellenkönnen, und daran nichts auszusehen finden. Es besteht aberdie Richtigkeit eines einzelnen Gedankens darinnen, daß nichtallein ein deutlicher und verständlicher Begriff in demselbenzum Grunde liegt, sondern daß auch das darinnen vorkom-mende Urtheil weder widersprechend, noch sich zu weit oder zuenge erstrecket, kurz, daß es wahr sey. Wider diese Richtigkri'cder einzelnen Gedanken wird gar häufig in der Welt verstvs-sen, sonderlich von Rednern und Dichtern (4), die gern neue und

hohe

Lg) Unter die neuern Gedichte, denen es an-er Nichtigkeit derGedanken fehler, muß man das bekannte Gedichte, den Mes-sias, gewiß oben an setzen; so sehr es auch von jungen Leuten

oder