von den Hof-und Staats-Reden. 6Z7
indem er im Namen feines Herrn redet, und öfters dessenPerson vorstellt. Unterdessen pfleget man doch auf denUnterschied der Macht und der Hoheit eines Monarchen zusehen: und die Gesandten der Republiken, Zumal in beson-dern Umständen, bezeugen öfters gegen mächtige Monarcheneine ausnehmende Ehrfurcht. Das Beyspiel unter -dersechsten Numer ist von dieser Art. Alkemal aber soll einesolche Anrede mit edlen, witzigen und wohl ausgesuchten Ge-danken und Wendungen erfüllet seyn, die jedoch nicht in dasSchwülstige und Unnatürliche verfallen müssen. Ein jederJnnhalt der Rede bietet einem schön denkenden Kopfe über-fiüßigen Stoffdarzu dar; besonders aber kann man in Freu-den- und Trauerfällen seine Gabe vorzüglich sehen lassen. DaSunter der vierte» Numer aufgeführte Muster ist gewiß sehrschön. Der Jnnhalt solcher Reden kommt gemeiniglichdarauf an, daß der Gesandte zufördcrst die Hochachtung undFreundschastsvollen Gesinnungen seines Herrn erwehnet, unddaß er solches durch gegenwärtige Gesandtschaft zu erkennenzu geben bemühet sey. Er redet sodann von den Befehlen,die er hat, die stärksten Versicherungen davon zu geben, undwährend seines Aufenthalts zu Befestigung des guten Ver-nehmens alles mögliche beyzutragen. Hierbey nimmt erGelegenheit, seines Creditivs und dessen Ueberreichung zugedenken, welches eben diese Versicherungen in sich enthaltenwerde. Er redet sodann von der Ueberzeugung seines Herrn,daß der Monarch, an den er gesendet ist, diesen freundschaft-lichen Gesinnungen auch seiner SeitS die Hand bieten werde,wobey, nach den vorwaltenden Umständen, von der Beichaf-fenheit von Europa und den aufhabenden Geschäften ewige
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hier keinen Platz verdienet. Was aber die gesunde Vernunftbey dem allen denket, und ob die Minister, die ein solches Ver-fabren, vielleicht aus Beariffen der Hoheit, die außer derSpbare der Menschheit hergenommen sind, einführen, ihrenMonarchen auf diese Art nicht zu einem bloßen Götzenbildsmachen, das ist eine andere Frage, die hierher nicht gehöret.
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