296 6ap. vs Vino.
Vor mich will ich denn sagen: daß ein guter, zugleich gesunder Wein, folgende Ei-genschafften haben soll, gleichwie man auch Vergleichen würcklich antrifft und haben kan,er soll: z) wohl ausgegohren, 2) nicht allzu jung , 8) dem Ansehen nach, klar, 4) derLonMonr nach, nicht dicke, auch nicht zu dünne, wieWaffer, angenehm, krafftigund stärckend von Geruch, 6) desgleichen also am Geschmack seyn, dergestalt: daß wennman ihn eine Weile lang im Munde behält, solcher eine gelinde gülknetion auf der Zun-ge hinterlasse, auch wohldurch die Nase penerrire, demnach nicht sauer noch herbe, nichtschaal oder matt, vlelweniger nach S chwefel, nach dem Vasse oder nach sonstwas frem-des schmecke: 7) Er soll beym Einschencken fein frisch kribeln, ober peulüren und Ge-räusche machen, jedoch also, daß das Schaumchen oder die Bläschen bald verschwinden:L) Er soll mäßige Stärcke und LpirirustbenL haben.
Endlich sind auch nach dem Trincken einige Proben zu remgr^mren , daraus maneinen guten und gesunden Wein judiciren kan: 9) Daß er geschwinde die Nieren og8lire;iO) die Nacht darauf einen gelinden Schweiß mache; und n)den nächst-folgenden Tagden Leib offen halte; 12) daß er weder Kopff-Schmertz, noch einige Schwcrigkeir in denenGliedern und Geblüts verursache; iz) daß er Xpperir errege und die Loncoälion be-fördere; 14) und endlich daß, wenn er auch öffters und in ziemlicher ?orrion getrunckenwürde, er dennoch keinen Stein oder ?o6g^lam caulire.
Nun ist es wohl wahr, daß nicht alle Weine, ja ich möchte bald sagen , nur garwenige Weine, erzehlte Qualitäten und Eigenschaffren haben: aber dann muß man docheine jede Sorte eben hernach, wie weit er gut und gesund, oder aber schädlich und mitden vorgeschriebenen Qualitäten nicht überein kommend sey, zu judiciren wissen , alsowenigstens den best-zuhabenden und mehr gesündern, vor den ungesundem oder schlech-tem, cnoiliren.
Überhaupt dienet auch dieses noch zur Nachricht, daß man zum täglichen Tranckweder gantz jungen, frischen und nicht gnugsam ausgelegenen Wein, welcher sonst grü-ner Wein pfleget genennet zu werden, noch allzu alten Wein, den man Firn-Wein Heister,sondern lieber einen von Mittel Alter, als die beste und brauchbareste Art, wählen soll:Die junge und frische haben gemeiniglich noch vielen Weinstein oder andere Unreinigkei-ten bey sich, und die Firn-Weine oder alte ausgelegene sind g l'ok-clinsir zu starck oderauf die letzte widrig von Geschmacke: Süsse Weine werden selten alt oder ebenfalls sehrstreng und feurig.
Die Verschiedenheit aller Weine zu beschreiben, ist keines einhigen Menschens Sa-che, nicht einmahl in soweit, daß man nur die Nahmen davon wüste, geschweige alle an-dere Umstände: Jedoch um etwas hievon zu sagen,so ist uns allen vors erste wohl bekannt,daß man 1) Einmahl wegen des Geschmacks süsse, säurliche, saure, herbe, zusammenzie-hende;. 2) wegen der Farbe, weisse oder (nach dem Frantzösischen Zermsnilitte) blancs,gelbliche, gelbe, bräunliche, schiele, licht-rothe, grünliche, recht rothe, dunckel-rothe undfchwärtzlich-rothe; z) wegen der LorMken? und 8ubltE, dünne, leichte, subtile, dicke,schwere und klebriche; 4) wegen der Stärcke und Kräffte , flarcke, ssüriruöse, fette,schwache und schlechte; 5^ wegen der fsrmenwnon aber, gekochte, ungegohrne, halb-unvganh-gegohrne, auch untereinander verwischte; 6) Ferner gefärbte und gemachte', ver-fälschte, und also unaussprechlich vielerley Weine har;
Etliche wenige UrnstgM, der Verschiedenheit halber, möchte ich noch voraus mel-den,