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Ueber den Geist und die Folgen der Reformation besonders in Hinsicht der Entwickelung des Europäischen Staaten-Systems : Als ein Seitenstück zu der von dem National-Institut zu Paris vor einigen Jahren gekrönten Preisschrift des Herrn von Villers / Friedrich von Kerz ; Maximilian Prechtl
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zehnten Jahrhunderts wird in einem grausamenKerker einem sichern Tode aufbewahrt. *)

*) Der aus einem sehr vornehmen Hause entsprosseneund als Philosoph, Geschichtschreiber und Staatsmanngleich berühmte Hugo Grotius. Kaum noch ein angeben-der Jüngling und nicht volle siebzehn Jahre alt, begleite-te er Barneveld auf seiner Gesandtschasts-Reise nach Frank-reich, und wußte damals schon die Aufmerksamkeit des gro-ßen Heinrichs auf sich zu ziehn. Kurze Zeit nach seinerZurückkunst wurde er in d.e oben angeführten unseligenRe-ligions Zänkereye» verwickelt, und als ein eifriger Ver-theidiger der Armlnianer, hauptsächlich aber weil er einFreund Barncvelds war, in Verhaft genommen. Schonwar sein Tod beschlossen, als die unermüdete Thätigkeitseiner treuen Gattinn ihn in Freyheit setzte. Durch Bit-ten und Bestechungen hatte dieselbe sich endlich die Erlaub-niß zu verschaffen gewußt, ihrem Gatten Bücher in seinGefängniß schicken zu dürfe». Diese wurde» nun jedes-mal in einer großen Kiste gebracht, und da die Wächterbald für überfiüßig hielten, dergleichen Kiste» zu durchsu-chen, so setzte sich endlich GrotiuS in eine derselben undentkam auf diese Art glücklich den Händen seiner Verfol-ger. Die ersten Jahre seines Eriks brachte er in Frank-reich zu, wo er von Ludwig dem iz. eine Pension erhielt.Späterhin kehrte er wieder nach Holland zurück. Aber derHaß jener Parthey, die er einst bekämpft hatte, war ge-gen ihn noch nicht erloschen. Er gieng daher nach Stock-holm, wo er von der gelehrten Christinn mit Gnadenbe-zeugungen und Ehrenstellen überhäuft, als SchwedischerGesandter nach Paris geschickt wurde. Nach einem beyna-he «zwölfjährigen Aufenthalt in Frankreich kehrte er nachStockholm zurück, und, weit erhaben über das gewöhnli-che Treiben und Streben der Menschen, bat er die Kö-niginn, ihm zu erlauben, alle seine Ehrenstellen in ihre Hän-de wieder niederzulegen, blos um den Rest seines Lebens